$  23.  Die  Wirkung  auf  den  Konsum  und  die  Preisbildung.  229

Trotzdem  ist  es  der  Outsiderkonkurrenz  auch  in  Ungarn  ab
und  zu  gelungen,  eine  Preiserhöhung  hintanzuhalten.  Das  Sodakartell
  konnte  es  nicht  verhindern,  daß  das  Sodakalein,  welches
1882  auf  21,50  stand  und  ı888  auf  ı5,50  herabfiel,  bis  1879  für
ı5  Kr.  zu  haben  war,  und  ebenso,  daß  das  Sodakaust,  welches
1882  auf  38,  1888  auf  30  stand,  im  Jahre  1897  29,50  notierte.
Nur  die  Einbeziehung  der  Lukavazer  Sodafabrik,  welche  vollkommener
  als  die  anderen  ausgerüstet  war,  in  das  Kartell,  hob  die
Preise  einigermaßen,  demzufolge  Sodakalein  1900  16,50,  Sodakaust
  34,50,  1902  ersteres  ebensoviel,  letzteres  36,50  notierte.
Auch  das  Branntweinkartell  konnte  ein  Sinken  der  Preise  nicht
verhüten,  trotz  einer  ganz  kurzen  Hausse;  1899/1900  notierte  man
381/,.  nach  Gründung  des  Kartells  ıgoo/oı  4ı!/,  ıg01/o2  wieder
40Y/,  und  1902/03  371/..

Ebenso  stimmen  alle  Daten  darin  überein,  daß  die  Kartelle
neben  Erhöhung  der  Inlandspreise  die  Auslandspreise  verschlechtern,
  d.  h.  den  Unterschied  zwischen  den  beiden  zum  Nachteil
der  Inlandspreise  vergrößern.  Was  das  vom  wirtschaftlichen
Standpunkt  aus  bedeutet,  ist  klar:  einen  wesentlichen  Verlust  im
Saldo  der  Nationalwirtschaft,  eine  Verringerung  des  Ertrags  des
Exports,  eine  Zurücksetzung  des  inländischen  Abnehmers  hinter
den  Ausländer,  einen  Vorschub  der  doppelten  Anomalie,  daß
einerseits  der  inländische  Konsument  den  Artikel,  den  er  auch
im  Inland  anschaffen  könnte,  vom  Ausland  bezieht  und  dadurch
dessen  Unternehmergewinn  bereichert,  und  daß  andererseits  das
Ausland,  mit  den  billig  bezogenen  Rohstoffen  und  Halbfabrikaten
billiger  zu  produzieren  fähig,  dem  inländischen  Fertigwarenmarkt
eine  ausländische  Konkurrenz  schafft,  d.  h.  das  Einströmen  ausländischer
  Fertigware  verursacht.

Die  Tatsachen  sind  offenkundig.  Wir  hatten  schon  Gelegenheit,
  auf  das  Vorgehen  der  deutschen  Schienen-  und  Thomasphosphatmehlfabrikanten,
  sowie  einiger  Österreichischer  und  ungarischer
Kartelle  hinzuweisen.!)  Steinmann-Bucher  erbrachte  den  Beweis,
  daß  die  Kartelle  hierzu  gezwungen  sind.  Als  Beispiel  unterzieht
  er  die  Schienenausfuhr  einer  eingehenden  Untersuchung  und
stellt  statistisch  fest,  daß  die  Eisenwerke  die  Schwankungen  des
Innenkonsums  durch  die  Ausfuhr  auszugleichen  suchten.  Im  Groß-1)

  Vergl.  oben  S.  92,  226  und  auch  beim  Zuckerkartell,  S.  116.