238  IV.  Kapitel.  Wirkungen  der  Kartelle  und  Trusts.

die  Aufgabe,  dieser  riesenhaften  Gewinn-  und  Schaffenslust
Schranken  zu  setzen,  die  es  unmöglich  machen,  daß  dieselbe  zum
Nachteil  der  wichtigsten  allgemeinen  Interessen  sich  geltend
mache.  !)

Wir  können  unsere  Folgerungen  in  folgendem  zusammenfassen:
  die  Kartellbewegung  ist  eine  in  die  Offenbarungen  des
wirtschaftlichen  Lebens  tief  eingreifende  und  insofern  notwendige
Phase  der  wirtschaftlichen  Entwicklung,  als  der  durch  die  freie
Konkurrenz  entstandene  zügellose  Wettbewerb  sowie  die  dadurch
erzeugte  Überproduktion  und  häufigen  Krisen  die  Kartellbildung
notwendig  hervorriefen.  Die  Kartelle  und  Trusts  bedeuten  vom
Standpunkt  der  Geregeltheit,  Ständigkeit  und  Vollkommenbheit
der  Produktion  unbedingt  einen  Fortschritt  und  wirken  im  allgemeinen
  günstig  auf  die  weitere  Entwicklung  der  Produktion;  sie
scheinen  geeignet,  eine  tiefgehende  Änderung  im  System  der
Gütererzeugung  hervorzurufen.  Im  ersten  Stadium  dieser  Änderung
bergen  sie  gegenüber  ganzen  Klassen  der  einzelnen  Produktionssubjekte
  existenzielle  Gefahren  in  sich,  welche  jedoch  teilweise
mehr  dem  Wechsel  des  Systems  an  und  für  sich  als  speziell  den
Unternehmerverbänden  zuzuschreiben  sind.  Vom  Gesichtspunkt
des  Güterverbrauchs  vermögen  die  Kartelle,  im  Falle  sie  Übermacht
  gewinnen,  mangels  nötiger  Kontrolle  eine  Stockung  in  der
Befriedigung  der  Bedürfnisse  hervorzurufen;  im  allgemeinen  erhöhen
  sie  die  Preise  der  inländischen  Produkte  und  verursachen
vorläufig  noch  Unterschiede  zwischen  den  Inlands-  und  Weltpreisen;
  insofern  es  internationale  Kartellverbände  gibt,  erhöhen
sie  auch  die  Auslandspreise.  Endlich  sind  die  Kartelle  und  Trusts
geeignet,  ausnehmend  große  wirtschaftliche  Macht  in  einer  Hand
aufzuhäufen  und  somit  die  Arbeit  dem  durch  sie  vertretenen
Großkapitalismus  gegenüber  in  ein  bedenkliches  Abhängigkeitsverhältnis
  zu  bringen  und  im  allgemeinen  die  Härten  und  Unverhältnismäßigkeiten
  der  Vermögensverteilung  zu  steigern.

Indem  wir  nun  daran  gehn,  das  Resultat  dieser  kurzgefaßten
Kritik  vom  Gesichtspunkt  des  ganzen  Wirtschaftslebens  aus  zu
würdigen,  so  lautet  das  Endurteil  zwar  zu  Gunsten  der  Kartellbewegung,
  aber  nicht  in  apodiktischer  Allgemeinheit,  sondern
mit  denselben  Vorbehalten,  die  gegenüber  jeder  aufwärtsstreben-1)

  Waentig  a.  a.  O.  S.  20.  Denselben  Gedanken  finden  wir  auch  in  der
Message  Roosevelts  zum  Kongresse,  1905.  Vergl.  weiter  unten  Kap.  VI.