8  34.  Kodifikatorische  Versuche  in  Deutschland.  301

Geheimer  Kommerzienrat  Kirdorf,  Generaldirektor  der
Gelsenkirchener  Bergwerksgesellschaft  und  Präsident  des  Kohlensyndikats
  erklärt,  die  Syndikate  seien  Kinder  der  Not;  viele
Schattenseiten,  die  behauptet  werden,  seien  nur  Schlagworte.
Wenn  angeblich  eine  Privatmonopolbildung  entstehe,  so  seien
hier  Mißbräuche  nicht  von  langer  Dauer,  denn  die  Verhältnisse
  bedingen  eine  Änderung.  Ein  Staatsmonopol  werde  man,
wenn  es  noch  so  schlecht  sei,  nicht  los.  Übermäßige  Preisfeststellungen
  werden  nicht  lange  anhalten,  da  die  eigenen  Zwecke
geschädigt  werden  und  der  Absatz  abnähme.  Die  Preisschwankungen
  seien  seit  dem  Syndikat  geringer  geworden,  die  Preise
wären  genau  der  Lohnsteigerung  gefolgt.  Die  großen  industriellen
  Verschmelzungen  seien  nur  durch  das  Syndikat  gefördert,
  nicht  verursacht  worden.  Was  den  Schmollerschen  Vorschlag
  rücksichtlich  der  Beteiligung  des  Staates  an  der  Leitung
anlangt,  so  ziehe  er  die  Verstaatlichung  vor.  Denn  entweder
werden  die  Beamten  immer  überstimmt,  oder  sie  seien  ein
bureaukratischer  Einschlag.  Er  halte  für  die  richtigste  Lösung
der  sozialen  Frage  die  Schaffung  reichlicher  Arbeitsgelegenheit,
für  welche  die  Syndikate  sorgen  müssen  und  werden.

Es  sprachen  noch  die  Professoren  Liefmann,  Lotz,  Diehl,
G.  Cohn,  ferner  Dr.  Gothein,  Dr.  Willbrandt,  Dr.  Leydig,
Geheimrat  Rothenburg,  A.  Weber,  Pfarrer  Naumann,
M.  Weber,  Dr.  Voglstein,  K.  Wiedenfeld,  die  Arbeitersekretäre
  Erkelenz  und  Fischer.  Wenn  auch  die  Fragen
der  großen  Kartellpolitik  und  deren  Folgen  wiederholt  gestreift
wurden,  so  stand  doch  eigentlich  die  Diskussion  über  die  deutschen
  Kohlen-  und  Eisensyndikate  im  Vordergrunde,  und  wie
Alfred  Weber  (Prag)  richtig  bemerkte,  bildete  die  unausgesprochene
  Frage,  ob  der  preußische  Staat  in  das  Koblenkartell
eintreten  soll,  den  Grundton  der  ganzen  Debatte.  So  sehr  die
Meinungen  auch  auseinandergingen,  so  herrschte  doch  in  einem
Punkte  vollkommene  Übereinstimmung,  nämlich  in  der  Ablehnung
  des  Schmollerschen  Vorschlages  auf  Eintritt  des
Staates  in  die  Leitung  der  großen  Aktiengesellschaften,  und
eigentlich  blieben  nur  der  Gedanke  der  Publizitätspflicht  der  Kartelle
  sowie  einzelne  von  Schmoller  empfohlene  Maßregeln  gewisser
Grenzbestimmungen  gegen  Zwangsmaßregeln  der  Kartelle  nach
außen  und  gegen  ihre  Mitglieder,  von  den  Befürwortern  einer