308  VI.  Kapitel.  Vorschläge  zur  Lösung  des  Problems.

Vertreter  der  Bahnen  protestierten  auf  das  entschiedenste,  sie  beteuerten,
  daß  ein  solches  Gesetz  den  Ruin  aller  betroffenen
Bahnen  verursachen  müßte,  daß  einzig  und  allein  die  Verwaltung
einer  Bahn  die  entsprechende  Frachtrate  bestimmen  könnte.
Niemals  würde  ein  Normaltarif  allen  amerikanischen  Bahnen  zu
Grunde  gelegt  werden  können,  und  die  Bestimmung  eines  passenden
  Tarifes  für  jede  einzelne  Bahn  seitens  der  Kommission  wäre
eine  Unmöglichkeit.  Nichtsdestoweniger  nahm  der  Kongreß  den
Gesetzentwurf  an,  aber  im  Senat  stieß  die  Verabschiedung  desselben
  auf  Widerstand.  Doch  auch  der  Senat  wagte  es  nicht,
den  Gesetzentwurf,  der  von  der  allgemeinen  Stimmung  des  Landes
getragen  wird,  zu  verwerfen.  Er  möchte  ihn  aber  gerne  abschwächen
  und  überwies  ihn  der  Kommission  für  Interstate
Commerce  zur  Berichterstattung.  Diese  Kommission  hat  nun
beschlossen,  vorerst  eine  große  Enquete  zu  veranstalten,  in  der
bereits  Handelskammern,  Eisenbahndirektoren,  Verfrachter  etc.
zum  Worte  kamen  und  sich  teils  für,  teils  gegen  die  staatliche
Festsetzung  der  Tarife  aussprachen.  Die  Überzeugung,  daß
etwas  geschehen  müsse,  ist  allgemein,  die  Meinungen  weichen
nur  darin  von  einander  ab,  ob  nicht  gerechte  und  gleichmäßige
Tarife  auf  einem  andern  Wege  als  dem  vorgeschlagenen  zu  erreichen
  wären.

Während  der  Wahlkonventikel  behandelt  die  republikanische
ebenso  wie  die  demokratische  Partei  die  Frage  der  Trusts,  auf
deren  Unterstützung  beide  rechnen,  mit  einer  gewissen  Zurückhaltung.
  Trotzdem  sind  beide  über  die  Notwendigkeit  eines  gesetzlichen
  Vorgehens  gegen  die  Trusts  einig.

Das  Programm  der  Regierung  der  Union  für  die  Trustfrage
wird  wohl  am  schärfsten  in  der  letzten  Botschaft  Roosevelts
an  den  Kongreß  (1905)  enthalten  sein.  Der  Präsident  erklärt,
er  sei  kein  prinzipieller  Gegner  der  Trusts;  nur  verlange  er  die
Möglichkeit,  Abhilfe  zu  schaffen,  sobald  greifbare  Gefahren  aus
der  durch  die  Vereinigung  von  Organisationen  ins  Ungemessene
wachsenden  Kapitalsmacht  entstehen.  Es  solle  die  Möglichkeit
geboten  werden,  diese  Organisationen  eventuell  energisch  unterdrücken
  zu  können,  und  er  glaubt,  daß  hierzu  die  Erlassung
eines  Gesetzes  durch  den  Kongreß,  welches  eine  regulierende
Tätigkeit  mit  Oberaufsicht  des  Staates  ermögliche,  hinreichen
werde.  „Was  wir  brauchen,  ist  nicht  etwa  das  Verbot  jedes