&amp;  38.  Vorschläge  zur  Lösung  des  Problems.  339

könnte  gleichzeitig  ein  zweites  Mittel  empfohlen  werden,  um  dem
gesteckten  Ziel  noch  mit  einem  Schritt  näher  zu  kommen.  Ein
Teil  des  beanspruchten  Kapitals  wird  mit  Papieren  von  geringem
Nominalwert  gedeckt,  und  zwar  so,  daß  für  das  möglichst  verbreitete
Eindringen  derselben  in  weite  Gesellschaftsschichten  Sorge  getragen
wird.  Hierdurch  würde  den  Volksklassen  geringeren  Einkommens
der  Ankauf  dieser  Papiere  ermöglicht  und  an  dem  Gewinn  der
industriellen  Staatsunternehmungen  eben  diese  Klassen  beteiligt.
Zum  Ausschluß  der  Agiotage  und  Spekulation  müßte  Maximum
und  Minimum  der  Dividenden  mäßig  festgestellt  werden  (etwa
3—5°/,).  Dies  würde  bedeuten,  daß  der  Staat  einen  eventuellen
Verlust  allein  trägt  —  er  müßte  3°/,  zahlen,  auch  wenn  er
weniger  oder  gar  keinen  Gewinn  macht  —,  aber  andererseits
auch  den  Nutzen  über  das  Maximum  hinaus  für  sich  behält.  Die
größere  Hälfte  des  Grundkapitals  müßte  auf  jeden  Fall  der  Staat
notieren,  um  über  das  Geschäftsgebaren  verfügen  zu  können;  im
übrigen  aber  sind  die  einzelnen  Unternehmungen  selbständige
Aktiengesellschaften,  von  denen  sich  der  Staat,  wenn  eventuell
eine  richtige  Preisgestaltung  auf  andere  Weise  gesichert  erscheint,
später  auch  zurückziehen  könnte.

Ein  derartiges,  mildes  und  doch  wirksames  Eingreifen  des
Staates  erzeugt  das  einzige  Gregenmittel  der  Kartellbewegung,
eine  von  den  Kartellen  unbesiegbare  Konkurrenz,  ohne  daß  er
sich  zur  Verstaatlichung  der  ganzen  Industrie  oder  überhaupt  zu
einer  tiefgehenden  Umgestaltung  des  bestehenden  Produktionssystems
  entschließen  müßte.  Der  Staat  befaßt  sich  auch  heute
mit  den  verschiedensten  Unternehmungen;  er  besitzt  riesige  Latifundien,
  die  meistens  schlecht  bebaut  werden,  während  in  einzelnen
  Ländern  der  Mangel  an  Grund  und  Boden  alle  Plagen  der
Zerstückelung  des  Grundbesitzes  heraufbeschwört.  Ein  beträchtlicher
  Teil  der  immensen  Einkünfte  Preußens  rührt  von  den  Staatsdomänen
  her!);  gewiß  würden  dieselben,  parzelliert  und  in  Privatbesitz
  übergegangen,  noch  viel  gewinnbringender  sein  und  die
Verteilung  desGrund  und  Bodens  gleichmäßiger  gestalten.  Schäffle
verfocht  schon  1884  („Inkorporation  des  Hypothekarkredits“)
und  noch  nachdrücklicher  1895  („Deutsche  Kern-  und  Zeitfragen,

1)  Nach  dem  Statistischen  Jahrbuch  für  Preußen  war  die  Gesamtsumme  der
Staatseinnahmen  1905:  2681,27  Mill.  M.;  davon  entfielen  auf  Domänen:  25,20  Mill.M.;
auf  Forsten:  99,75  Mill,  M.

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