Handel  und  Preisbildung  in  der  Kriegswirtschaft.


Von  Dr.  Kurt  Wiedenfeld,  Professor  an  der  Untversität  Halle.

Uns  Gegenwartsmenschen  ist  die  Weltwirtschaft  schon  etwas
Selbstverständliches  geworden,  obwohl  wir  die  erste  Generation
sind,  die  einen  anderen  Zustand  lediglich  vom  Hörensagen,  nicht
mehr  aus  eigener  Erfahrung  kennt.  Auch  daran  haben  wir  uns
einschränkungslos  gewöhnt,  daß  wir  alles,  was  wir  zum  Leben
notwendig  brauchen,  durch  Kauf  in  unseren  Besitz  bringen,  und
daß  wir  alle  Leistungen  und  Güter,  die  wir  selbst  hervorbringen,
durch  Verkauf  und  nicht  durch  eigene  Benutzung  verwerten.
Geld  rollt  tagtäglich  durch  die  Hände  selbst  des  kleinsten  Mannes,
immer  geringer  wird  daher  die  Wertung,  die  jeder  Einzelne  dem
einzelnen  Geldstück  und  seinem  Wennwert  zuteil  werden  läßt.
So  durchaus  selbstverständlich  ist  uns  das  alles  geworden,  daß
die  Ausschaltung  aus  der  Weltwirtschaft,  welche  der  Krieg  mit
sich  gebracht  hat,  uns  zwar  aufs  gründlichste  in  der  Art  unserer
Bedarfsdeckung  und  unserer  Güterverwertung,  im  rein  Tatsächlichen
  unserer  Wirtschaft  also,  zu  Anderungen  der  Gewohnheiten
hat  zwingen  können,  daß  aber  unser  Empfinden  und  selbst  unser
Denken  noch  völlig  im  weltwirtschaftlichen  Gleise  verlaufen  und
nicht  eigentlich  kriegswirtschaftlich  geworden  sind.  Offensichtlich  stehen
geldmäßige  Wertung,  Handel  und  Weltwirtschaft  zueinand  er  in
engster  Beziehung.  Man  muß  von  diesen  Beziehungen  ausgehen,
um  die  vom  Kriege  verursachte  Störung  im  Handel  mit  allen  ihren
Tolgeerscheinungen  erklären  zu  können.

Ausbildung  der  Weltwirtschaft.  Der  Begriff  der  Weltwirtschaft
  bekommt  nur  dann  einen  brauchbaren  Sinn,  wenn
wir  mit  ihm  die  Tatsache  bezeichnen,  daß  die  verschiedenen
Teile  der  Erde  sich  zu  einer  wirtschaftlichen  Einheit  verbunden
haben.  Wir  dürfen  ihn  also  nicht  schon  dann  anwenden,  wenn