50

Versuchung,  daß  der  Ertrag  des  einzelnen  Geschäftsabschlusses  durch
ein  Herunterdrücken  der  tatsächlich  gezahlten  Preise  —  etwa  unter
Ausnutzung  bestehender  Schuldverhältnisse  —  über  das  billige  Maß
hinaus  gesteigert  werde,  und  andererseits  die  Versuchung,  durch
das  Bieten  höherer  Preise  den  Umsatz  auf  Kosten  der  Konkurrenten
zu  erweitern,  bieten  zwei  Klippen,  durch  welche  ein  freigelassener
Handel  so  leicht  nicht  ungefährdet  hindurchkommt.  An  beiden  würde
vollends  der  wichtigste  Endzweck  der  Taxpreispolitik  zerschellen:
durch  die  Abstufung  der  Preise  die  Produktion  sachlich  und  zeitlich
nach  den  Bedürfnissen  der  Gesamtheit  umzuleiten.  Da  kann  also,
wenn  anders  man  an  den  Höchstpreisen  festhalten  will,  der  Händler
nur  als  Kommissionär  gegen  eine  feste  Provision  beschäftigt  werden.
Als  preisregelnder  Faktor  ist  er  auf  alle  Fälle  auszuschalten.

Wie  weit  man  dann  den  alteingeführten  Handel  in  dieser
Weise  tatsächlich  beschäftigen  will,  ist  eine  Zweckmäßigkeits—
frage.  Auf  der  einen  Seite  steht  die  Rücksicht,  daß  man  eine  möglichst
  große  Zahl  von  Existenzen  wenigstens  im  gewissen  Umfange
bei  ihrer  gewohnten  Tätigkekt  erhalten  soll,  und  daß  man  auch  für
die  Feststellung  der  wirklich  vorhandenen  Vorräte  die  Personenkenntnis
  gerade  der  kleinen  Aufkäufer  wirksam  verwerten  kann.
Auf  der  andern  Seite  aber  steht  die  Sorge,  daß  bei  restloser  Ver—
wendung  all  dieser  Einzelkräfte  die  Ubersicht  über  die  Borratslage
gefährdet  wird  und  daß  Schiebungen  eintreten,  welche  die  Absichten
der  Preispolitik  zu  durchkreuzen  vermögen.  Schon  hier  macht  sich
mit  entscheidendem  Gewicht  die  Erwägung  geltend,  daß  ein  Höchstpreis,
  der  vielfach  tatsächlich  nur  ein  anderer  Ausdruck  für  den
Taxpreis  ist,  nach  beiden  Seiten  hin,  also  auch  für  den  Erzeuger,
eine  feste  Berechnungsgrundlage  abgeben  muß.  —  —

Handel  und  Einfuhr.  Bei  der  Einfuhr  läßt  sich  ebenfalls
eine  absolute  Freiheit  nicht  gewähren.  Im  Anfange  hat  man  es  versucht,
  um  auf  diese  Weise  noch  eine  möglichst  große  Menge  von
Nahrungsmitteln  über  die  Grenze  zu  bekommen.  Alsbald  hat  sich  aber
gezeigt,  daß  in  buntester  Mischung  ein  großer  Teil  jener  Elemente,
welche  im  Inlande  durch  die  Beschlagnahmen  ihren  Wirkungskreis
eingeengt  sahen,  nun  zum  Einkauf  in  das  neutrale  Ausland  hinausströmte.
  Da  waren  gewiß  nicht  wenige  sehr  tüchtige  Männer  darunter,
  aber  daneben  stand  auch  in  reichlicher  Zahl  die  Ungeeignetheit
und  selbst  die  Unlauterkeit.  Die  alteingeführten  Handelsfirmen  blieben
keineswegs  die  Träger  der  noch  festzuhaltenden  Einfuhrbeziehungen.
Das  ganze  Einfuhrgeschäft  bekam  vielmehr  gerade  in  dem  Augenblick,
in  welchem  von  der  heimischen  Bedarfsdeckung  her  besonderer