Grundsätzliches  zur  Nahrungemittelpolitik  der  Gemeinden.  9

Erundsitzliches  zur  Nahrungsmittelpolitik  der
Gemeinden.
Von  Dr.  Hans  Menzel-Breslau.

In  der  Eingabe  des  Deutschen  Städtetages  an  den
Reichskanzler  vom  23.  Oktober  1912  heißt  es:

„Es  ist  nicht  Aufgabe  deutscher  Städteverwaltungen,
dauernd  in  die  Preisgestaltung  einzugreifen.“

Mußte  diese  Auffassung  schon  damals  angesichts  der
sich  allmählich  zu  einem  Dauerzustand  entwickelnden  Teuerung
wichtiger  Nahrungsmittel,  wie  z.  B.  des  Fleisches  in  den
Jahren  1902,  1905.—  1907,  1912,  befremdlich  wirken,  so
wird  heute,  nachdem  die  Erfahrungen  von  2½  Kriegsjahren
gezeigt  haben,  wessen  sich  die  Allgemeinheit  von  dem  privi#ten
Erwerbstrieb  zu  versehen  hat,  jedem  Bürger  klar  geworden
sein,  daß  eine  aktive  Nahrungsmittelpolitik  zu  den  wichtigsten
Aufgaben  der  Gemeinden,  insbesondere  der  riesigen  Verbrauchergemeinschaften
  der  Großstädte  gehört,  jedem  Bürger
mit  Ausnahme  derjenigen,  die  an  der  Wiedererweckung  des
voraugustischen  Zustandes  auf  dem  Gebiete  der  Nahrungsmittelversorgung
  geschäftlich  interessiert  sind.  Diese  Kreise  glauben
tatsächlich  an  die  Möglichkeit,  die  Entwicklung  rückgängig
machen  zu  können,  die  übrigens  nicht  erst  durch  den  Krieg
in  die  Richtung  einer  stärkeren  Einflußnahme  der  Gemeinden
auf  die  Versorgung  ihrer  Bürger  mit  guten  und  preiswerten
Nahrungsmitteln  gedrängt,  wohl  aber  durch  die  Kriegsnotwendigkeiten
  wesentlich  beschleunigt  worden  ist,  besonders
bezüglich  der  wirtschaftlichen  Seite  der  Sache,  die  vor  dem
Jahre  1914  im  Vergleich  zu  der  hygienischen  stark  vernachässigt
  worden  ist.  »

Zur  Erreichung  ihrer  Ziele  gründen  die  Interessenten
schon  jetzt,  während  des  Krieges,  große  Verbände,  so  am
30.  November  1916  den  Verband  Berliner  Großhändler  und
Fabrikanten  für  Nahrungs'  und  Genußmittel.  Welche  Taktik