Grundsätzliches  zur  Nahrungsmittelpolitik  der  Gemeinden.  11
werbswirtschaft  auf  dem  Gebiet  der  Nahrungsmittelversorgung
den  an  sie  zu  stellenden  Anforderungen  nicht  mehr  genügt.
Der  Wegfall  der  Einfuhr  durch  die  Handelssperre  in  Verbindung
  mit  der  Mißernte  des  Jahres  1915  hätte  sicherlich
in  weit  höherem  Maße,  als  schlechte  Ernten  schon  in  Friedenszeiten,
  Ringbildungen  der  Produzenten  und  Händler  und  in
deren  Gefolge  ungemessene  Preistreibereien  hervorgerufen.
Den  lebensgefährlichen  Versuch,  die  Nahrungsmittelversorgung
während  der  Kriegszeit  den  Interessenten,  wenn  auch  nur
zum  Teil  auszuliefern,  würden  wohl  weder  der  Staat  noch
die  Kommunen  wagen.  Aber  auch  für  die  auf  den  Friedensschluß
  folgenden  Jahre  ist  mit  einem  Fortbestehen  der  Ursachen
zu  rechnen,  die  zur  öffentlichen  Nahrungsmittelversorgung  geführt
  haben.  In  sehr  anregender  Weise  beweist  Graf  von
Schwerin-Löwitz  im  roten  Tag  vom  1.  Dezember  1916
diese  Behauptung  mit  den  Verhältnissen,  die  sich  auf  dem
Weltmarkte  und  im  Weltgetreideanbau  herausgebildet  haben.
So  müßte  Deutschland  für  ausländischen  Weizen  fast  den
doppelten  Preis  zahlen,  den  es  jetzt  zahlt.  Hungerpreise
lassen  sich  also  nur  durch  Erhöhung  der  eigenen  Produktivität
in  Verbindung  mit  einer  vernünftigen  Preispolitik  vermeiden.
Wir  werden  knappe  Zeiten  haben,  in  denen  weder  Arbeitsnoch
  Bodenvergeudung  getrieben  werden  darf,  in  denen  alle
Kräfte  auf  die  gesellschaftlich  unbedingt  notwendigen  Arbeiten
einzustellen  sind.  Wir  können  uns  den  Luxus  der  viel  zu
zahlreichen  kleinen  Nahrungsmittelgeschäfte,  deren  Inhaber
nur  halb  beschäftigt  sind,  nicht  mehr  leisten  in  Zeiten,  in
denen  jede  Kraft  voll  ausgenutzt  werden  muß.

Vor  allem  kann  es  nur  der  in  der  Hand  des  Reichs  beziehungsweise
  der  Staaten  und  Kommunen  zusammengefaßten
wirtschafllichen  Macht  gelingen,  die  Nahrungsmittelpreise
wieder  mit  den  Selbstkosten  in  ein  vernünftiges  Verhältnis  zu
bringen,  ein  Verhältnis,  das  in  vielen  Fällen  verloren  gegangen
ist.  Ganz  können  die  verteuernden  Tendenzen  nicht  aufgehoben
werden;  die  Produktion  bedarf  des  Anreizes,  aber  —  und