Erundsätzliches  zur  Rahrungsmittelpolitik  der  Gemeinden.  13.

die  Ausführungen  des  Vorsitzenden  der  Reichsgetreidestelle,
des  Unterstaatssekretärs  Michaelis,  in  seiner  Rede  vom
2.  Dezember  1916,  nicht  schließen.  Die  Voraussage  des
Leiters  der  gesamten  deutschen  Getreideversorgung,  —  wir
würden  vielleicht  noch  für  längere  Zeit  auf  die  geschlossene
Staatswirtschaft  angewiesen  bleiben,  —  auf  Jahre  hinaus
werde  die  Reichsgetreidestelle  beibehalten  werden,  und  es  wäre
schon  im  Hinblick  auf  die  enorme  Schuldenlast  des  Reichs
möglich,  daß  man  zu  einem  Reichsmonopol  greifen  müsse,
stellt  die  Gemeinden  vor  die  Aufgabe,  sich  schon  jetzt  mit
dem  Gedanken  vertraut  zu  machen,  daß  sie  dauernd  mit  der
Mehl=  und  Brotversorgung  ihrer  Bürger  befaßt  sein  werden.
Der  volkswirtschaftliche  und  finanzielle  Vorteil  kann  bei  der
Gestaltung  der  Dinge,  soweit  man  sie  voraussehen  kann,  nur
in  der  Ausschaltung  des  stark  spekulativen  Großhandels,  in
der  Übernahme  seiner  Funktionen  auf  die  Gemeinde  und  in
der  Erringung  eines  ausschlaggebenden  Einflusses  auf  die
Großmühlen  —  das  Beste  wäre  die  Verstadtlichung  dieser
sehr  rentablen  Großindustrie  —  liegen.  Die  unmittelbare
Verbindung  mit  den  landwirtschaftlichen  Produzenten  hätten
die  zu  Zwangsinnungen  auszugestaltenden  landwirtschaftlichen
Genossenschaften  herzustellen.  Diese  sind  als  Kampfmittel
gegen  die  Großhändler  gegründet.  Sie  haben  in  den  Jahren
1908,  1909  und  1910  allerdings  nur  etwa  5,9;  7,3;  6,2
Millionen  Zentner  Getreide  abgesetzt;  hätten  aber  gewiß  schon
in  den  letzten  Jahren  vor  dem  Kriege  größere  Erfolge  erzielt,
wenn  ihnen  nicht  in  dem  Punkte  der  geschäftlichen  Spekulation,
einem  Punkte,  der  für  die  künftige  gemeinwirtschaftliche  Regelung
  von  geringer  Bedeutung  ist,  die  privaten  Großhändler
über  wären.  Die  Genossenschaften  müßten  das  Getreide  an
große  kommunale  Lagerhäuser  abführen,  deren  Vorhandensein
von  unschätzbarem  Wert  für  die  wirtschaftliche  Sicherung  des
Reichs  gegenüber  der  Möglichkeit  zukünftiger  Kriege  sein
würde.  Mit  diesen  Getreidelagerhäusern  stünden  die  großen
Mühlenwerke  in  Verbindung,  von  denen  aus  das  Mehl  dann