22  Vorschläge  zur  Ernährung  des  deutschen  Volkes  in  Krieg  und  Frieden.

Deutschland  für  rund  80  Millionen  Mark  Gemüse  vom  Ausland
  eingeführt.  Nur  für  Weißtraut,  Welschkraut  und  Rotkraut
  wurde  ein  Eingangszoll  von  Mk.  2,00  für  50  kg  erhoben.

Treibgemüse  und  Frühgemüse  gingen  zollfrei  ein;  Italien,
Frankreich  und  Holland  waren  Deutschlands  Lieferanten.

Im  Jahre  1912  z.  B.  wurden  für  fast

8  Millionen  Mark  Zwiebeln,  für
17  -  .Blumenkohl,  für
11½  -  Gurten  eingeführt.

Diese  Zahlen  lassen  erkennen,  daß  der  deutsche  Gemüsebau
  einer  großen  Steigerung  fähig  ist.  Aber  die  Vermehrung
der  Anbauflächen  läßt  sich  so  schnell  nicht  in  die  Praris
umsetzen,  weil  es  an  angelernten  Leuten  fehlt,  welche  diese
Kulturen  verstehen.

Der  kleine  Landmann  ist  viel  zu  schwerfällig,  um  sich
auf  neue  Kulturen  einzurichten,  nach  der  Uberlieferung  seines
Vaters  betreibt  er  die  kleine  Wirtschaft  weiter,  und  Jahrzehnte
vergehen,  ehe  er  sich  entschließt,  ein  besseres  Gerät  anzuschaffen
oder  irgend  eine  erprobte  Neuerung  anzunehmen.

Von  dieser  Seite  ist  weder  eine  Verbesserung  noch  eine
Steigerung  des  Anbaus  von  Gemüsen  zu  erwarten.  Auch
bieten  kleine  landwirtschaftliche  Betriebe  dem  Anbau  nicht
Flächen  genug,  um  mit  Erfolg  die  im  Gemüsebau  unerläßliche
  Wechselwirtschaft  betreiben  zu  können.

Für  landwirtschaftliche  Kleinbetriebe  geeignet  wäre  besonders
  die  Kultur  von:

Mohn,  Gewürzpflanzen  wie  Anis,  Fenchel,  Kümmel,
Senf,  natürlich  nicht  überall,  sondern  nur  wo  die  Bodenverhältnisse
  diese  Spezialkulturen  gestatten,  wie  zum  Beispiel
auf  wenigen  Stellen  im  Kreise  Görlitz,  auf  heißem  trockenen
Sandboden  die  Kultur  der  Linsen.

Dann  sei  darauf  hingewiesen,  daß  die  Anzucht  von
weißen  Bohnen  (der  Hülsenfrucht)  als  Nebenkultur  in  der
Kartoffelfurche  lohnend  und  in  manchen  Gegenden  Schlesiens
allgemein  eingeführt  ist.