28  Vorschläge  zur  Ernährung  des  deutschen  Voltes  in  Krieg  und  Frieden.

IV.

Gemüsebau  auf  städtischem  Gelände.
Von  Hugo  Rawitsch.

Trotz  aller  Mühe,  die  den  städtischen  Verwaltungen  aus
der  Beschaffung  der  notwendigen  Lebensmittel  erwächst,  ist
der  Nutzbarmachung  der  städtischen  Anbau=  und  Ackerflächen
noch  nicht  die  genügende  Aufmerksamkeit  entgegengebracht
worden.  Die  städtischen  Verwaltungen  hätten  angesichts  der
bevorstehenden  Nahrungsmittelknappheit  sofort  mit  der  Erzeugung
  von  Nahrungsmitteln  beginnen  müssen.

Größere  Städte,  die  eine  eigene  Gartenbauverwaltung
haben,  hätten  diese  schon  viel  eher  dazu  veranlassen  müssen,
hier  vorbildlich  einzugreifen.

Die  vorhandenen  geübten  Arbeitskräfte  durften  sich  in
der  Zeit  der  Lebensmittelknappheit  nicht  ausschließlich  mit  der
Bestellung  von  Zierpflanzen,  Parkanlagen  usw.  beschäftigen,
vielmehr  mußten  diese  Arbeitskräfte  unbedingt  für  die  Lebensmittelerzeugung
  auf  den  städtischen  Geländen  verwendet  werden.
So  hätte  auch  die  Umgestaltung  der  Erholungsparke  für  den
Anbau  von  Nährpflanzen  dazu  geführt,  daß  diesem  Beispiel
alle  anderen  Gartenbesitzer  gefolgt  wären.

Wenn  auch  nicht  alle  Ziergärten  und  alle  Promenadenanlagen
  der  Stadt  sich  für  die  Anpflanzung  von  Gemüse
eignen,  so  ist  doch  der  Boden,  der  dadurch  der  Ernährung
verloren  geht,  von  viel  größerem  Umfange,  als  man  anzunehmen
  geneigt  ist.

Während  des  Krieges  hat  in  Deutschland  gezwungener
Maßen  die  pflanzliche  Ernährung  der  Bevölkerung  wesentlich
zugenommen.  Der  jetzige  große  Bedarf  konnte  aber  nur
durch  die  vorhandenen  Vorräte  von  Konserven  und  Trockengemüsen
  gedeckt  werden.  Wollen  wir  nun  weiter  die  Versorgung
  der  Bevölkerung  mit  Gemüsen  nur  den  Berufsgärtnern