Pachthöchstpreise  für  Kleingärten  in  den  Städten.  53

Pachthöchstpreise  für  Kleingärten  in  den  Städten.
-  Von  Hugo  Rawitsch.

Durch  die  Nutzbarmachung  bisher  brachliegenden  Landes
wird  die  Erzeugung  von  Nahrungsmitteln  erheblich  gefördert.
Es  ist  aber  dringend  notwendig.  daß  das  hierzu  erforderliche
Land  zu  angemessenem  Preise  zu  haben  ist.  Ferner  ist  es
notwendig,  daß  auf  die  Besitzer  des  brachliegenden  Geländes
ein  Zwang  ausgeübt  werden  kann,  das  Land  für  den  Gemüse=
  und  Kartoffelbau  herzugeben.

Denn  die  Bodenspekulation  in  den  großen  Städten
kauft  auf  viele  Jahre  im  voraus  große  Bodenflächen  und
läßt  sie  meist  bis  zur  Baureife  unbenutzt  liegen.  Hierdurch
werden  viele  Tausende  von  qm  Land  der  Erzeugung  von
Nahrungsmiteeln  entzogen.

Die  volkswirtschaftliche  Notwendigkeit.  jedes  Stückchen
Erde  auszunützen,  und  die  mit  der  erfolgreichen  Arbeit  verbundene
  Freude  des  Stadtbewohners  am  Gartenbau  hat
den  „Landhunger“,  das  ist  die  Nachfrage  nach  anbaufähigem
Boden  in  den  Städten  und  der  nächsten  Umgebung  mächtig
gesteigert.  Mit  der  Nachfrage  sind  aber  auch  die  Pachtpreise
  schon  während  des  Krieges  auf  das  Doppelte  und
Dreifache  gestiegen.  Sogar  Unternehmer  pachten  einige
Morgen  Land,  vergeben  es  an  ihre  Unterpächter  und  fordern
ohne  irgend  eine  persönliche  Leistung  die  doppelten,  ja  dreifachen
  Pachtpreise

Man  kann  dieses  Verfahren  nur  als  Wucher  mit  dem
für  die  Erzeugung  der  Nahrungsmittel  unentbehrlichen  Boden
bezeichnen.  Das  Schlimmste  ist,  daß  hiervon  in  den  meisten
Fällen  gerade  die  unbemittelte  Bevölkerung  betroffen  wird,
die  gerne  ihre  freie  Zeit  zur  Gartenarbeit  benutzen  und  sich
dadurch  einen  Zuschuß  zu  ihrer  eigenen  Ernährung  verschaffen
  will.