Anpflanzung  v.  Nährbäumen  u.  ssträuch,  an  Stelle  v.  Ziergewächsen.  57

gärten,  an  Straßen,  an  Spalierwänden.  Daneben  aber  durch
weit  größere  behördliche  und  private  Ausnutzung  vieler  bisher
  unbeachtet  gebliebener,  zum  Obstbau  durchaus  geeigneter
Kulturflächen:  an  öffentlichen  und  privaten  Wegen,  Landstraßen,
  geeigneten  städtischen  Straßenzügen  und  Promenaden,
an  Eisenbahndämmen,  an  Kanälen,  bei  Talsperren,  auf
Ülberschwemmungsgebieten,  militärischen  Ubungsplätzen  und
Schießständen,  auf  Rieselfeldern  und  Gemeindehutungen,  auf
Bruchland  von  Ziegeleien,  Kiesgruben  und  Steinbrüchen,  in
städtischen  und  ländlichen  Kleinwohnhaussiedelungen.

Der  von  Kreisverwaltungen  betriebene  Obstbau  an
öffentlichen  Straßen  hat  seit  einigen  Jahren  eine  große  Bedeutung
  erlangt.  Als  Beispiel  sei  erwähnt,  daß  die  Kreisverwaltung
  Nimptsch  in  Schlesien  von  den  Obstalleen  ihrer
Chausseen  im  Durchschnitt  einen  jährlichen  Reingewinn  von
55000  Mark  erzielt,  daß  der  Landkreis  Breslau  im  Jahre
1912  an  Obstpacht  64000  Mark  aus  den  Kreischausseen  zog;
trotz  der  großen  Bedeutung  dieses  Obstbaus  bepflanzt  man
noch  immer  weite  Strecken  öffentlicher  Wege  im  bunten  Durcheinander
  mit  Birken,  Pappeln,  Akazien  oder  sonstigen  Wildbäumen.


Freilich  ist  die  frühere  Gepflogenheit,  Chausseen  mit
Obstbäumen  ohne  Unterschied  der  Sortenwahl  —  womöglich
jeder  Baum  eine  andere  Sorte  —  zu  bepflanzen,  unzweckmäßig.
Ein  Schulbeispiel  bildet  der  Kreis  Grottka  u,  der
zuerst  in  Schlesien  damit  begann,  beide  Seiten  einer  Wegstrecke
  kilometerweise  mit  einer  Sorte  zu  bepflanzen,  wobei
er  mit  der  am  frühesten  reifenden  Sorte  begann  und  mit
der  späten  Wintersorte  endigte.

Ein  derartig  planmäßiges  Verfahren  erleichtert  dem
Obstpächter  Aussicht  und  Ernte,  er  kann  mit  seiner  Obsthütte
von  Sorte  zu  Sorte  in  der  Reihenfolge  der  Reifezeit  weiterrücken
  und  ist  in  der  Lage,  da  er  bedeutende  Arbeit  erspart
und  keine  Verluste  durch  Diebstahl  erleidet,  hohe  Pacht  zu
zahlen.