92  Vorschläge  zur  Ernährung  des  deutschen  Volkes  in  Krieg  und  Frieden.

Xlll.

Jede  Stadtgemeinde  muß  einen  Ausschuß
für  Gemüsebau  haben.
Von  Stadtrot  Jungfer.

Als  England  die  Absicht  kundgegeben  hatte,  Deutschland
durch  Aushungerung  zu  bezwingen,  setzte  sich  bei  uns  sehr
bald  die  Uberzeugung  durch,  daß  es  demgegenüber  nur  zwei
Mahnahmen  gäbe:

1.  ein  sparsamer  Verbrauch  von  Lebensmitteln,  dessen  notwendige
  Vorbedingung  natürlich  eine  möglichst  gleichmäßige
  Verteilung  auf  die  Köpfe  der  Bevölkerung  ist,

2.  eine  Erhöhung  der  Lebensmittelerzeugung.

Soweit  dies  durch  den  Anbau  von  Gemüse  und  Kartoffeln
  erfolgen  konnte,  haben  sich  auch  die  Städte  in  den
Dienst  dieser  vaterländischen  Sache  gestellt.  In  Breslau
beschäftigte  sich  bereits  im  August  1914  die  städtische  Gartendirektion
  mit  dem  Anbau  von  Gemüse.  Zur  zweckmäßigen
Durchführung  wurde  im  Februar  1915  folgende  Organisation
ins  Leben  gerufen.  Zunächst  wurde  ein  größerer  Ausschuß
aus  Magistratsmitgliedern,  Stadtwerordneten  und  fachkundigen
Bürgern  der  Stadt  gebildet,  mit  einem  Magistratsmitgliede
als  Leiter  und  Dezernenten  an  der  Spitze.  Die  Stadt
wurde  in  4  Bezirke  geteilt  mit  den  Bezeichnungen  NO.,
NW.,  SO.  und  SW.  Wie  die  Abgrenzungen  dieser  Bezirke
  verlaufen,  ist  hier  ohne  Belang.  An  die  Spitze  eines
jeden  Bezirkes  wurde  ein  fachmännisch  gebildeter  Obmann
berufen,  dem  eine  Reihe  von  Mitarbeitern  zur  Seite  gestellt
wurde.  Die  dringendste  Aufgabe  war,  zunächst  möglichst  viel
Land  dem  Kriegsgemüsebau  zuzuführen.  Das  zur  Verfügung
gestellte  Land  wurde  alsdann  von  den  Obmännern  und
ihren  Mitarbeitern  einer  Besichtigung  daraufhin  unterzogen,
ob  es  sich  für  den  Kriegsgemüsebau  eignete.  Abgelehnt