94  Vorschläge  zur  Ernährung  des  deutschen  Volkes  in  Krieg  und  Frieden

10500  qm  im  Weichbilde  der  Stadt  gelegen  ist.  Durch
weitere  Bemühungen  gelang  es  im  Jahre  1916,  die  Anbaufläche
  auf  800000  qm  zu  erhöhen.  Es  ist  anzunehmen,
daß  sie  für  1917  auf  1  Million  qm  wachsen  wird.  Nach
einer  Mitteilung  des  Verbandes  der  Schrebergartenvereine
sind  außer  dem  von  uns  verwalteten  Gelände  durch  Mitglieder
  des  Verbandes  etwa  35000  qm  lediglich  mit  Gemüse
  und  Kartoffeln  bebaut  worden.  Wir  haben  die  Schrebergartenvereine
  besonders  aufgefordert,  auf  ihren  Ländereien
im  nächsten  Jahre  möglichst  nur  Kartoffeln  und  Gemüse  zu
bauen.  Darüber,  inwieweit  auch  Land  durch  andere  Behörden
  hier  in  Breslau  für  Zwecke  des  Kriegsgemüsebaues
hergegeben  worden  ist,  ist  eine  Aufstellung  in  Vorbereitung.

Die  Bebauung  ist  äußerst  eingehend  gewesen,  ergibt
sich  doch  aus  dem  Sammelanbau  ein  großer  Ansporn  zu
gegenseitigem  Wetteifer  in  der  Pflege  des  Landes.  Im
Jahre  1916  wurden  annähernd  ⅜/  des  Geländes  mit  Kartoffeln,
  der  übrige  Teil  mit  Gemüsesorten  bebaut.  Die  Erträgnisse
  waren  außerordentlich  zufriedenstellend.  Es  ist  von
verschiedenen  Sachverständigen  anerkannt  worden,  daß  eine
Fläche  von  300  qm  ausreicht,  eine  Familie  von  5—6  Köpfen
während  des  ganzen  Jahres  mit  Gemüse  aller  Art  zu  versorgen.
  Der  Wert  dieser  Erzeugnisse  kann  nach  Abzug  aller
Unkosten  für  Pacht,  Dünger,  Sämereien  usw.  auf  60  bis
80  Mark  Reinertrag  im  Jahre  geschätzt  werden,  wobei  allerdings
  die  geleistete  Arbeit  des  Kriegsgemüsebauers  nicht  in
Anrechnung  gebracht  ist.

Welcher  Wert  dem  vermehrten  Gemüseanbau  für  die
Unterstützung  der  Volksernährung  auch  vom  preußischen
Landwirtschaftsminister  beigemessen  wird,  zeigt  der  Erlaß  vom
27.  Dezember  1915.  In  ihm  wird  ausdrücklich  erwähnt,
daß  es  falsch  wäre,  zu  glauben,  daß  solche  kleine  Hilfen  für
das  große  Ganze  keinen  Ausschlag  geben.  Wemn  auch  die
Arbeit  des  Einzelnen  nur  einen  kleinen  Beitrag  liefere,  so
ergäbe  die  Summe  aller  Beträge  doch  einen  namhaften  Erfolg.