Einleitung.

Da  deutsche  Volk  liegt  am  Boden.  Diele  reiche  Hrovinzen,  die  zum
größten  Teil  von  Deutschen  bewohnt  sind,  hat  es  verloren;  seine
Klotte  ruht  auf  dem  Grunde  des  Meeres  oder  ist  dem  Feinde  überliefert,
  seine  Armee,  die  einst  die  stolzeste  der  Welt  war,  besteht  überhaupt
  nicht  mehr;  seine  Kolonien  sind  verloren;  seine  Waffen  sind  in
alle  Winde  zerstreut;  finanziell  ist  es  derart  belastet,  daß  es  die  aufzubringenden
  Summen  überhaupt  nicht  auftreiben  kann;  sein  blühender
  Handel,  seine  Industrie  sind  schwer  geschädigt.  Während  es  vor
dem  Weltkriege  nach  dem  höchsten  Corbeer  griff  und  sich  zur  Weltmacht
  zu  entwickeln  im  Begriff  stand,  trotzdem  es  erst  spät  in  die
Reihe  der  weltbewegenden  Staaten  eingetreten  war,  fristet  es  jetzt
nur  mühsam  sein  Leben,  und  seine  Arbeiter  sind  noch  immer  zu  keiner
gesicherten  Lebensstellung  gelangt.  Teils  erhalten  sie  zu  viel,  teils
zu  wenig  Lohn,  und  ihre  Bedürfnisse  sind  vielfach  ins  Unvernünftige
gestiegen.  Moch  sieht  es  keinen  Weg,  der  wieder  in  die  Höhe  führt,
und  das  Dolk,  das  führend  war  bei  der  Entwicklung  der  Menschheit
auf  geistigem  wie  sittlichem  Gebiet,  ist  jetzt  unter  die  Küße  getreten  und
wird  von  seinen  Feinden,  die  nur  dank  ihrer  Übermacht  und  seiner
Selbstzerfleischung  gesiegt  haben,  mit  der  äußersten  Derachtung  genannt.
  Die  große  Masse  ist  noch  außerstande,  sich  des  gewaltigen  Heldenkampfes,
  den  es  geführt  hat,  bewußt  zu  werden.  Sie  weiß  nicht,
was  sie  für  die  Menschheit  bedeutete.  Die  offiziellen  Darstellungen,
die  ihm  seine  Großtaten  vorhalten  können,  werden  erst  spät  an  die
EGffentlichkeit  treten.  Die  Quellen  zu  seiner  Geschichte  sind  noch  immer
verstopft.  Auch  die  Tachrichten,  die  der  Feind  geben  könnte,  fließen
nur  spärlich  und  lügenhaft.  Er  würde  fast  nur  von  Niederlagen  berichten
  können,  wenn  er  die  Wahrheit  nicht  entstellen  will,  was  er
allerdings  während  des  Weltkrieges  schon  gründlich  getan  hat.  Es
lassen  sich  daher  heute  weder  genaue  Angaben  über  die  Stärkeverhältnisse
  machen,  noch  über  die  Truppenteile,  die  an  allen  einzelnen
Kämpfen  teilnahmen.  Auch  die  Derluste  auf  beiden  Seiten  lassen  sich
nur  annähernd  bestimmen.  Die  Catsachen  selbst  lassen  sich  vielfach
nicht  einwandfrei  darstellen.  Tur  das  eine  steht  fest,  daß  wir  stets
gegen  eine  gewaltige  Übermacht  gekämpft  haben,  und  daß  wir  schließlich
  der  Ubermacht  nur  unterlegen  sind,  weil  unfer  Volk  sich  selbst  untreu
  geworden  und  seinem  Reere  in  den  Rücken  gefallen  ist.

Wenn  ich  es  trotzdem  wage,  heute  schon  eine  kurze  Geschichte
des  Weltkrieges  für  das  deutsche  Volk  zu  schreiben,  so  verfolge  ich
damit  einen  doppelten  Sweck.  Ich  bin  mir  wohl  bewußt,  daß  ich
nicht  die  volle  Wahrheit  in  allen  Einzelheiten  schreiben  kann  —  dazu
fehlen,  wie  gesagt,  die  Quellen.  Aber  ich  kann  soweit  als  möglich