VIII  Einleitung.

das  Richtige  schreiben,  und  ich  will  es  tun,  um  zunächst  einen  Rahmen
für  eine  spätere  Geschichte  zu  liefern,  und  dann,  um  dem  deutschen
Volke  zu  zeigen,  was  es  leisten  kann;  zu  welchen  gewaltigen  Taten
es  trotz  aller  begangenen  Fehler  fähig  ist,  wenn  es  einig  zusammensteht
  und  seinen  Kührern  vertraut;  wie  es  andererseits  aber  innerlich
zusammenbricht,  wenn  es  sich  gegen  die  Gewalten  auflehnt,  die  es
sich  selbst  gesetzt  hat,  und  seinen  niedrigen  Instinkten  folgt.  Es  ist  zu
den  höchsten  Leistungen  fähig,  wenn  es  einig  ist  und  von  starker  Hand
geführt  wird,  gleichzeitig  aber  zu  den  niedrigsten  Handlungen,  bis
zur  Preisgabe  seiner  Ehre,  wenn  es  seinen  Verführern  überlassen
wird,  und  niemand  ihm  in  greifbarer  Nähe  den  Corbeer  zeigt,  der
seine  Schläfe  schmücken  soll.  Das  hat  es  auch  in  diesem  Kriege  bewiesen.
  Großes  hat  es  geleistet,  wie  es  kein  anderes  Dolk  zu  leisten
vermag,  aber  andererseits  hat  es  eine  schwere  Schuld  auf  sich  geladen,
  wenn  es  zuletzt  versagte,  als  es  schon  dicht  vor  dem  Ziele  war.
Beides  soll  das  vorliegende  Buch  ihm  zeigen.

Es  sind  viele  Fehler  bei  seiner  Führung  gemacht  worden.  Es
liegt  mir  ganz  fern,  sie  verschweigen  zu  wollen.  Ich  werde  im  Gegenteil
  alles  hervorheben,  was  nach  meiner  Kenntnis  und  Ansicht  gefehlt
  worden  ist.  Aber  andererseits  muß  man  bedenken,  daß  das
Kritisieren  leicht  ist,  wenn  das  Ergebnis  vor  Augen  liegt,  furchtbar
schwer  aber  das  Handeln  unter  dem  Druck  der  Derantwortung.
Alles  Menschliche  sträubt  sich  zuweilen  gegen  das  militärisch  Richtige,
und  was  ist  natürlicher,  als  daß  man  den  menschlichen  Regungen
folgt?  Nicht  jeder  ist  als  Feldherr  geboren  und  soll  doch  schwerwiegende
  militärische  Entscheidungen  treffen,  ohne  den  Hlatz,  auf
den  er  gestellt  ist,  einem  anderen  überlassen  zu  können.  In  solchem
Falle  müssen  wir  gerecht  sein  und  nicht  Unmögliches  verlangen.  Das
eben  ist  das  Wesen  einer  großen  Kation,  daß  sie  trotz  aller  Fehler,  die
sie  oft  nicht  einmal  zu  beurteilen  vermag,  dem  geborenen  Führer
folgt  und  das  Unabwendbare  mit  Beldenmut  trägt,  ohne  am  endlichen
  Siel  zu  verzweifeln.  Überall  sind  Menschen  tätig.  Menschliche
Eigenschaften,  gewaltiges  Wollen  und  schwächliches  KTachgeben  bestimmen
  den  Lauf  der  Geschicke:  wahrhaft  groß  aber  ist  nur  die
Nation,  die  auf  dem  schwankenden  Meer  menschlicher  Geschicke  ihr
Siel  trotz  aller  Rückschläge  fest  im  Auge  behält,  um  unbeirrt  durch
Glück  oder  Unglück  es  doch  endlich  zu  erreichen  oder  wenigstens  in
Shren  unterzugehen.  Friedrich  der  Große,  der  gewaltige  Hohenzoller,
  der  die  halbe  Welt  überwand,  mag  uns  da  zum  Dorbilde
dienen.  Lieber  wollte  er  dem  Ceben  entsagen  als  der  Ehre,  und
wie  oft  war  er  dem  Untergange  nahe!  Auch  er  hat  die  Schlacht
von  Kolin  verloren,  wie  wir  die  Marneschlacht,  über  die  übrigens
noch  zu  reden  sein  wird:  aber  niemals  ist  er  verzweifelt!  Immer
fand  sein  Geist  noch  einen  Ausweg,  und  selbst  nach  der  verlorenen
Schlacht  von  Kunnersdorf  stand  er  noch  aufrecht  da  und  schuf  neue
Mittel  des  Widerstandes.  Die  Erinnerung  an  diesen  großen  Hohen-