Später  wurde  dann  dieses  Verfahren  System.  Die  Scheu  vor
jeder  Tat  und  jeder  positiven  Stellungnahme  wurde  zur  Absicht.
Man  wollte  es  mit  niemandem  verderben  und  machte  sich  damit
alle  Welt  zum  Feinde.  Dabei  war  die  Absicht  immer  eine  gute.
Dem  deutschen  Dolke  sollte  nach  des  Kaisers  Wunsch  der  Krieg
erspart  werden.  Diesem  ZSiele  aber  wurden  vom  Reich-skanzler  alle
anderen  Rücksichten  geopfert,  auch  dann,  als  mit  dem  Jahre  1002
die  Einkreisungspolitik  König  Eduards  begann  und  mit  bestem  Erfolge
  fortgesetzt  wurde.  Deutschlands  Randelskonkurrenz  fing  an
einen  bedrokhlichen  Tharakter  anzunehmen,  und  England  war  entschlossen,
  diese  Konkurrenz  auszuschalten.  Daß  Deutschland  dem  englischen
  Randel  gefährlich  würde,  sollte  auf  alle  Fälle  verhindert  werden.
  Man  wollte  zunächst  versuchen  dem  Deutschen  Reiche  alle  gesunden
Cebensbedingungen  zu  rauben  und  es  auf  diese  Weise  unschädlich
machen,  indem  man  es  erstickte,  oder,  wenn  das  nicht  gelang,  wollte
man  es  mit  Gewalt  niederschlagen.  Su  beidem  sollte  die  Einkreisung
dienen;  das  war  die  Aufgabe,  die  sich  König  Sduard  gestellt  hatte.
Sie  zu  durchschauen  war  die  deutsche  Staatskunst  außerstande,  obgleich
  am  8.  April  1004  England  und  Frankreich  sich  über  die
beiderseitigen  Mittelmeerinteressen  geeinigt  hatten  und  letzteres  Land
seine  Ansprüche  auf  Agvypten  gegen  Marokko  aufgegeben  hatte;  obgleich
  England  1005  seine  Klotte  in  der  Nordsee  zusammenzog,  die
Konferenz  zu  Algeciras  1006,  trotz  der  stolzen  Erklärungen  unseres
Kaisers  bei  seiner  1005  erfolgten  LCandung  in  Canger,  in  allen
Dunkten  gegen  Deutschland  entschied,  und  100%  durch  den  Dertrag
vom  31.  August  Rußland  seinen  Beitritt  zum  englisch-französischen.
Bündnis  vollzog.  Allerdings  war  Deutschland  im  Jahre  1008,  als
Esterreich  endgültig  von  Bosnien  und  der  herzegowina  Zesitz  ergriff,
an  dessen  Seite  getreten,  weil  es  vertragsmäßig  dazu  verpflichtet
war,  die  Gegnerstaaten  militärisch  und  politisch  noch  nicht  kriegbereit
waren,  und  Deutschland  für  seinen  eigenen  Bestand  an  den  Esterreichs
gebunden  war.  Dem  Anschein  nach  trug  der  Dreibund  damals
einen  politischen  Sieg  davon:  in  Wirklichkeit  war  das  aber  keines
wegs  der  Fall;  vielmehr  gab  die  damalige  Lage  nur  den  Anstoß
zur  weiteren  Befestigung  des  Dreiverbandes,  indem  Italien  sich
schon  damals  vom  Dreibunde  löste  und  seine  eigene  politische  Aktion
begann.  Schon  damals  war  die  ganze  tatsächliche  Schwäche  des
Dreibundes  zutage  getreten.  Als  dann  im  Sommer  1909  der  bisherige
  Staatssekretär  des  Innern  von  Bethmann  Hollweg  zum
Reichskanzler  ernannt  wurde,  blieb  die  Politik  die  gleiche  und  wurde
vielleicht  noch  konsequenter  durchgeführt,  in  völliger  Ahnungslosigkeit
  dessen,  was  in  Europa  wirklich  vorging.  Kurz  vorher
hatte  König  Eduard  in  Reval  lange  Unterhaltungen  mit  dem
Zaren  von  Rußland,  die  die  Ausschaltung  Deutschlands  und  Esterreichs
  aus  den  Balkanangelegenheiten  bezweckten;  am  25.  Oktober
1000  traf  dann  Nikolaus  II.  in  Racconigi  mit  dem  König  von  Ztalien