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der  öffentlichen  Meinung  nachgebend,  eine  Militärvorlage  einbrachte,
  war  diese  so  lückenhaft  und  geringfügig,  daß  sie  nicht  einmal
  die  allgemeine  Wehrpflicht  wirklich  durchführte,  den  lauten
Widerspruch  aller  national  gesinnten  Kreise  hervorrief  und  der
Gefahr  der  Cage  keineswegs  entsprach.  Eine  wirtschaftliche  Kriegs—
vorbereitung  hat  überhaupt  nicht  stattgefunden.  Ernährung  und
WMunition  waren  nicht  sichergestellt.  Eine  gemeinsame  Kriegsleitung
mit  den  Derbündeten  war  weder  zu  LCande  noch  zur  See  festgestellt.
Tatsächlich  haben  die  Deutschen  den  Krieg  mit  einer  Heeresstärke
von  nur  zwei  Millionen  Mann  begonnen,  während  die  Ssterreicher
gar  nur  anderthalb  Millionen  WMann  aufstellten.  Die  deutsche  Militärvorlage
  von  1013  hat  sich  durchweg  als  halbe  Maßregel  erwiesen.
Osterreichs  Wehrkraft  zu  stärken  wurde  nicht  einmal  versucht.

Deutschlands  Gegner  waren  dagegen  eifrig  bestrebt,  ihre  Rüstungen
  zu  vollenden.

Von  England  ist  bereits  geredet  worden.  Während  es  die
maßgebenden  Staaten  Europas  unter  seiner  Führung  gegen  Deutschland
  vereinigte,  reorganisierte  es  seine  Armee,  gab  es  ungeheure
Summen  für  seine  Seerüstung  aus,  übernahm  den  Schutz  der  nordfranzösischen
  Küste  und  machte  es  dadurch  möglich,  daß  Frankreich
seine  Klotte  im  WMittelmeer  vereinigte,  wo  zugleich  ein  englisches
Geschwader  blieb,  während,  wie  wir  sahen,  das  Gros  der  englischen
  Klotte  in  der  Nordsee  vereinigt  wurde.  Auch  die  Verhandlungen,
  die  mit  Deutschland  durch  den  nach  Berlin  einge  ladeneu
  Minister  Zaldane  geführt  wurden,  brachten  es  bezeichnenderweise
  zu  keinem  Ergebnis;  England  ließ  sich  die  Hände  nicht  binden,
trat  überall  als  ausgesprochener  Gegner  Deutschlands  auf  und
machte  sich  unter  Aufrechterhaltung  des  äußeren  Scheines  der  Friedfertigkeit,
  der  nötigenfalls,  wie  in  der  NRarokkoaffäre,  auch  aufgegeben
  wurde,  zu  dem  großen  Schlage  bereit,  der  planmäßig  im
Jahre  1917  fallen  und  Deutschland  ohne  oder  mit  Gewalt  niederwerfen
  sollte.

Ganz  ähnlich  verfuhr  man  in  Frankreich.  Da  man  in  der
Warokkosache  auf  die  Unterstützung  Rußlands  und  SEnglands  rechneu
  konnte,  ging  man  rücksichtslos  vor  und  machte  das  Cand  unter
Bruch  der  Algeciras-Akte  zu  einem  französischen  Schutzgebiet,  in
dem  die  Rechte  Deutschlands  überhaupt  nur  auf  dem  Hapier,  aber
nicht  in  Wirklichkeit  berücksichtigt  wurden.  Sugleich  aber  wurde
Frankreichs  Wehrkraft  durch  Einführung  der  dreijährigen  Dienstzeit
  auf  das  Außerste  gesteigert;  am  12.  Juni  1015  wurde  sie  von  der
Kammer  angenommen  und  belastete  Frankreich  finanziell  derart,
daß  es  in  kürzester  Seit,  wie  auch  geplant,  zum  Kriege  würde  schreiten
müssen.  Der  Jahresdurchschnitt  der  Friedensstärke,  der  bisher  etwa
545000  Mann  betragen  hatte,  wurde  im  Jahre  lolc  auf  etwa
690  000  Mann  zum  Dienst  mit  der  Waffe  und  45  000  Mann  zum
Dienst  ohne  Waffe  gesteigert  und  würde  sehr  bald  auf  230000