zunächst  abwarten,  wohin  sich  im  Kriegsfall  die  Schale  des  Sieges
neigen  würde,  und  hatte  den  Begriff  des  „#Sacro  egoismo“  —  des
heiligen  Sgoismus  —  eigens  erfunden,  um  seinen  geplanten  Derrat
  zu  bemänteln.  Belgien  war  von  vornherein  auf  seiten  Frankreichs
  anzunehmen.

Demgegenüber  stand  Esterreich  vollkommen  unvorbereitet  da.
Seine  inneren  Derhältnisse  hatten  seine  Seit  und  seine  Kräfte  völlig  in
Anspruch  genommen;  ja  es  machte  sich  wohl  kaum  einen  Begriff  von
der  Größe  des  Schicksals,  das  jeden  Augenblick  hereinbrechen  konnte.
Es  glaubte  nicht  an  einen  Weltkrieg.  Armee  und  Flotte  waren  in
keiner  Weise  auf  die  Rolle  vorbereitet,  zu  denen  der  Gang  der  Ereignisse
  sie  jederzeit  berufen  konnte,  und  das  Serwürfnis  der  Nationalitäten
  fand  nur  noch  in  der  Herson  des  alten  Kaisers  Kranz  Josepk
einen  Einigungspunkt.  So  war  es  in  keiner  Weise  den  Erschütterungen
  gewachsen,  die  Europa  in  seinen  Grundfesten  heimsuchen.
sollten.  Armee  und  Holitik  waren  nur  auf  den  gewohnten  und  gewöhnlichen
  Derlauf  der  Dinge  eingestellt.  Die  Gesamtkriegsstärke,
der  die  Mittelstaaten  sich  gegenübersahen  —  England,  Frankreich,
Rußland,  Serbien  und  Belgien  —  betrug  bei  Ausbruch  des  Krieges
6  191570  Mann,  denen  sie  selbst  nur  3  480  4%0  Mann  entgegenzustellen
  hatten,  wenn  man  nur  Deutschland  und  GEsterreich  in  Rechnung
  stellt.

So  lagen  die  Derhältnisse,  als  die  Kunde  von  der  Mordtat
von  Sarajero  Europa  durcheilte.

Esterreich  war  in  erster  Cinie  betroffen.  Es  hatte  bisher  allen
serbischen  Übergriffen  ruhig  zugesehen,  nur  um  den  Frieden  zu
erhalten.  Aus  dem  gleichen  Grunde  hatte  es  das  Besatzungsrecht
im  Sandschak,  dem  der  Türkei  gehörigen  Gebietsteil  zwischen  Serbien
und  Montenegro,  und  damit  den  geraden  Weg  nach  Saloniki  aufgegeben.
  Jetzt  aber  sah  es  sich  in  seinem  Dasein  bedroht.  Wenn
es  den  Mord  seines  Thronfolgers  ruhig  hinnahm,  verlor  es  alles.
Ansehen  auf  dem  Balkan  und  gab  Serbien,  das  in  diesen  Mord  verwickelt
  war,  gewissermaßen  einen  Freibrief  für  weitere  Schandtaten.
Auch  glaubte  es  nicht,  daß  die  entgegenstehenden  Weltmächte  für
einen  Königsmord  eintreten  würden.  Wenigstens  muß  man  das
annchmen,  da  sonst  die  Haltung  der  Donaumonarchie  völlig  unverständlich
  wird.  Darin  aber  hatte  es  sich  vollkommen  geirrt.

In  ZRußland  stritten  zwei  Harteien  um  die  Leitung  der  Dolitik.
Die  eine  wollte  den  Frieden  wenigstens  vorläufig  erhalten,  die
andere  drängte  zum  Kriege.  Der  Kaiser  neigte  der  ersteren  zu,  aber
die  zweite  drohte,  wie  man  annehmen  muß,  mit  der  Revolution
und  zwang  damit  den  Kaiser  in  ihren  Bannkreis.  Wie  dem  aber
auch  sei,  welche  Mittel  die  Kriegspartei  angewendet  haben  mag:
so  viel  steht  fest,  daß  sie  den  Kaiser  schließlich  durch  offenbaren
Betrug  zur  Wobilmachung  gegen  Deutschland  zwang.  Sie  brachte
ihn  dazu,  in  einer  schwachen  Stunde  den  Mobilmachungsbefehl  zu