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erlassen,  und  redete  ihm  dann  vor,  daß  er  schon  am  Tage  darauf
nicht  mehr  rückgängig  zu  machen  sei.  Der  Kriegsminister  Suchomlinow
  und  der  Minister  des  Außeren  Sassonow  waren  unmittelbar
an  diesem  Betrug  beteiligt:  hinter  ihnen  aber  verbarg  sich  zweifellos
  die  Großfürstenpartei,  die  den  Krieg  auf  jeden  Fall  herbeiführen
wollte.

Der  deutsche  Kaiser  war  ein  unbedingter  Anhänger  des  Friedens.
Er  hatte  tolc  auf  den  Rat  Bethmann  Hollwegs  hin  die  gewohnte
Nordlandreise  angetreten,  um  die  öffentliche  Meinung  nicht  unnötigerweise
  zu  beunruhigen,  da  der  RZeichskanzler  im  Vertrauen
auf  die  englische  Holitik  unbedingt  an  die  Beilegung  jedes  Streitfalls
glaubte.  Unter  dem  Drange  der  Derhältnisse  aber  kehrte  er  aus
eigenem  Antriebe  nach  Deutschland  zurück  und  unternahm  sofort  die
ernstlichsten  Dersuche,  zwischen  Esterreich  und  Rußland  zu  vermitteln,
  um  trotz  allem  den  Frieden  zu  erhalten.  Dom  Reichskanzler
war  er  nicht  ausreichend  über  die  Lage  unterrichtet  worden.  Daß
England  Krieg  und  Frieden  in  seiner  Hand  hatte,  wußte  er  nicht.
Es  brauchte  bloß  zu  erklären,  daß  es  sich  an  einem  Kriege  gegen
Deutschland  nicht  beteiligen  werde,  um  sofort  den  Frieden  zu  sichern.
Da  es  das  aber  nicht  tat,  gewann  in  Rußland  die  Kriegspartei
die  Oberhand.  Am  Sl.  Juli  befahl  Nikolaus  II.  die  Mobilmachung
der  gesamten  Streitkräfte,  ein  Befehl,  der  dem  Saren  zum  Trotz
nicht  widerrufen  wurde.  Nun  mußte  sich  Deutschland  dagegen
sichern  überfallen  zu  werden.  Am  1.  August  erfolgte  daher  der
Befehl  zur  Mobilmachung.  Sugleich  wurde  die  Kriegserklärung
gegen  Rußland  erlassen.  Da  Frankreich  seinerseits  auch  mit  Rüstungen
  begann,  wurde  auch  diesem  Staat  am  S.  August  der  Krieg
erklärt,  und  zu  gleicher  Feit  trat  der  Kriegszustand  gegen  Belgien
ein.  Da  es,  wie  wir  sehen  werden,  im  Hlane  der  deutschen  Heeresleitung
  lag,  den  Angriff  auf  Frankreich  durch  Belgien  hindurchzuführen,
  war  diesem  Staate  schon  am  2.  August  anheimgestellt  worden,
den  Durchmarsch  der  deutschen  Armeen  zu  gestatten.  Auch  bestand
nach  den  Derträgen  von  1818  und  1831  für  Hreußen  das  Recht  zu
einem  solchen,  und  das  Deutsche  Reich  war  der  natürliche  Rechtsnachfolger
  Dreußens.  Trotzdem  verweigerte  Belgien  die  Erlaubnis
zu  dem  mit  Recht  geforderten  Durchmarsch.  Es  mußte  demnach  der
Kriegszustand  eintreten.  Diese  sogenannte  Derletzung  der  belgischen
Neutralität,  die  beiläufig  bemerkt  von  den  Franzosen  bereits  früher
in  Wirklichkeit  begangen  worden  war,  nahm  dann  England  zum
Dorwand,  um  seinerseits  Deutschland  den  Krieg  zu  erklären.  Umsonst
  bot  der  deutsche  Reichskanzler  als  Hreis  für  die  Neutralität
Englands  die  Nichtanwendung  der  deutschen  Flotte  gegenüber  Frankreich
  und  die  völlige  territoriale  Unversehrtheit  Frankreichs  mit
seinen  Kolonien  sowie  Belgiens  an.  England  blieb  bei  seinem  Willen.

Damit  brach  Bethmann  Hollwegs  ganzes  politisches  S'vstem,
seinem  eigenen  Ausspruch  nach,  wie  ein  Kartenhaus  zusammen.