u

erklärt  und  seine  Armeen  mobil  gemacht  hatte;  am  10.  erklärte
Frankreich,  am  15.  England  dem  völlig  überraschten  Esterreich=Ungarn
  den  Krieg.  Europa  starrte  von  Waffen.  Diese  sollten  die
schwebenden  Fragen  entscheiden.  Der  deutsche  Kaiser  aber  hielt
am  4.  August  eine  Thronrede,  in  der  er  mit  vollem  Kecht  die
Worte  sprach:  „Die  Welt  ist  Seuge  gewesen,  wie  unermüdlich  wir
in  dem  Drang  und  den  Wirren  der  letzten  Jahre  in  erster  Reihe
standen,  um  den  Dölkern  Europas  einen  Krieg  zwischen  Großmächten
  zu  ersparen.  Uns  treibt  nicht  Eroberungslust,  uns  beseelt
der  unbeugsame  Wille,  den  Hlatz  zu  bewahren,  auf  den  Gott  uns
gestellt  hat,  für  uns  und  alle  kommenden  Geschlechter.  Ich  kenne
keine  Harteien  mehr,  ich  kenne  nur  noch  Deutsche.“

Daß  er  die  falschen  Mittel  ergriffen  hatte,  um  diesen  Sweck  zu
erreichen,  das  wußte  er  damals  nicht  und  er  hat  an  seinem  Irrtum
zum  Schaden  Deutschlands  während  des  ganzen  Krieges  festgehalten.

Im  Augenblick  freilich  sahen  sich  die  Dinge  trotz  der  Gefahren
der  Lage  durchaus  hoffnungsvoll  an.  Ein  Sturm  der  Begeisterung
ging  durch  ganz  Deutschland;  jung  und  alt  drängte  sich  zu  den
Fahnen.  Jeder  war  froh  und  stolz,  daß  die  Zeit  des  Sögerns  und
Surückweichens  endlich  vorbei  sei;  daß  der  deutsche  Stolz  sich  nicht
mehr  zu  beugen  brauche  unter  fremden  Willen;  daß  im  grünen  Felde
das  Schwert  entscheiden  sollte  über  Recht  und  Unrecht.  Die  Harteien
  Hörten  auf,  wenigstens  wagten  es  die  gewissenlosen  Führer
nicht  mehr,  ihre  Stimme  hören  zu  lassen;  das  ganze  deutsche  Dolk
stand  geschlossen  hinter  seinem  Kaiser:  Es  glaubte  an  den  Sieg  und
nosste  auf  die  Sukunft.  Der  Geist,  der  es  belebte,  sprach  sich  auch
in  den  gewaltigen  Kriegsanleihen  aus,  die  bis  zuletzt  von  allen
Teilen  des  Dolks  gezeichnet  wurden  und  an  denen  sich  auch  die
kleinen  Leute  beteiligten,  die  nur  Sparpfennige  zum  Opfer  für  das
Daterland  bringen  konnten.  Wer  jene  Tage  mit  erlebt  hat,  dem
werden  sie  ewig  unvergeßlich  bleiben.  Sie  zeigen,  welcher  Gefühle
und  Gesinnungen  das  deutsche  Dolk  fähig  ist,  wenn  es  seinen  urwüchsigsten
  Empfindungen  überlassen  wird,  wie  es  nur  unter  dem
Einfluß  fremder  Einflüsterungen  und  furchtbarer  Leiden  das  werden
konnte,  was  es  leider  heute  geworden  ist:  ein  Dolk  der  Sklaven
und  der  Diener!

Auch  der  Kriegsplan  schien  Gutes  zu  versprechen.  Man  rechnete
  mit  einem  gewissen  Recht  auf  eine  langsame  Mobilmachung
und  äußerst  schwerfällige  Operationen  der  Kussen.  Zwar  wußte
man  im  deutschen  Generalstab,  daß  in  der  letzten  Zeit  umfassende
grundstürzende  Maßregeln  getroffen  worden  waren,  um  die  Mobilmachung
  zu  beschleunigen,  und  daß  auch  das  Eisenbahnnetz  im
Sinne  eines  beschleunigten  Aufmarsches  ausgebaut  worden  sei;
auch  nahm  man  mit  Recht  an,  daß  sich  der  Zauptstoß  gegen  Gstpreußen
  richten  würde:  dennoch  glaubte  man  mit  Rücksicht  auf
das  im  Derhältnis  zu  den  zu  bewegenden  Massen  immer  noch