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Die  Einnahme  von  Cüttich  und  die  Eröffnung
des  Feldzuges.

Um  den  geplanten  Dormarsch  durch  Belgien  ausführen  zu  können,
musßte  man  sich  deutscherseits  womöglich  überraschend  in  den  Zesitz
von  TLüttich  setzen,  das  den  Übergang  über  die  Maas  sperrte.  Man
beschloß  daher,  diese  starke  Festung  gleich  bei  Kriegsbeginn  durch
einen  Handstreich  wegzunehmen,  noch  bevor  sie  Seit  gehabt  hätte,
ihre  Derteidigungswerke  zu  vervollständigen.  Es  war  ein  Unternehmen,
  wie  es  die  Weltgeschichte  noch  nicht  gesehen  hatte,  ein
Wagnis,  das  alles  Bisherige  in  den  Schatten  stellen  und,  wenn  es
gelang,  wie  ein  Donnerschlag  bei  heiterem  Kimmel  auf  alle  unsere
Feinde  wirken  und  ihre  Maßnahmen  verwirren  mußte.

Der  französisch-englische  Aufmarsch  und  die  darauf  gestützten
Kriegspläne  waren,  wie  wir  sahen,  darauf  berechnet,  daß  die  belgischen
  Kestungen,  vor  allem  aber  das  starke  Lüttich  eine  Zeitlang
Widerstand  leisten  und  so  den  verbündeten  Armeen  die  Seit  verschaffen
  würden,  heranzukommen  und,  wie  geplant,  die  Entscheidungsschlachten
  gegen  die  links  überflügelte  Armee  der  Deutschen
schlagen  zu  können.  Wenn  Lüttich  vorzeitig  fiel,  was  niemand  für
möglich  hielt,  mußte  der  ganze  mühsam  vorbereitete  Kriegsplan
scheitern,  und  mußten  die  verbündeten  Armeen  in  der  Dersammlung
oder  im  Aufmarsch  gefaßt  werden.  Von  der  raschen  Bewältigung
der  gewaltigen  Festung  hing  also  die  erfolgreiche  Sröffnung  des  Feldzuges
  ab,  und  es  war  für  die  Deutschen  wohl  der  Mühe  wert,  selbst
ein  großes  Wagnis  an  das  Gelingen  des  schier  abenteuerlichen
Planes  zu  setzen.

Es  wurden  daher  sechs  Brigaden  und  fünf  Kavalleriedivisionen
mit  einiger  Feldartillerie  auf  Kriedensfuß  sofort  nach  Kriegsausbruch
nach  Aachen,  Eupen  und  Malmed'  gefahren.  Die  Kavallerie  war
verstärkt  durch  Jägerbataillone  und  Radfahrer.  Am  4.  August  traten
sie  den  konzentrischen  VDormarsch  auf  Lüttich  derart  an,  daß  die  ganze
Ost--  und  Südostfront  der  Festung  auf  dem  rechten  Maasufer  von
ihnen  umspannt  war  und  eine  Brigade,  die  dicht  an  der  holländischen
Grenze  die  Maas  überschritten  hatte,  sogar  auf  dem  rechten  Flußufer
gegen  die  Nordfront  der  Festung  vorstieß.  Ein  von  Kavallerie  und
Jägern  ausgeführter  Zandstreich  mißglückte;  vier  von  den  angesetzten
Brigaden  stießen  auf  so  heftigen  Widerstand,  daß  sie,  als  die  Munition
  auszugehen  anfing,  in  die  Ausgangsstellungen  zurückgehen
mußten;  eine  blieb  die  Tacht  zum  7.  in  unmittelbarer  Nähe  der  Fortlinie
  liegen;  einer  aber,  der  14.,  aus  den  Regimentern  27,  165  und
dem  4.  Jägerbataillon  bestehend,  gelang  es  bis  Lüttich  vorzudringen
und  die  festungsähnlich  ausgebaute  Kartause  (la  Thartreuse),  mit
einer  Kompanie  der  Jäger  aber  die  Maasbrücken  in  der  Stadt  zu