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Die  Einnahme  von  Namur  und  die  Schlachtenfolge
  in  Frankreich.

Während  so  die  Cperationen  auf  allen  Kriegsschauplätzen
begannen,  ging  der  Dormarsch  der  Deutschen  in  Belgien  unaufhaltsam
  vorwärts;  die  Heereskavallerie,  von  der  auch  das  1.  Kavallerickorps,
  wie  wir  wissen,  schon  am  20.  August  auf  das  Nordufer
  der  Maas  hinübergezogen  worden  war,  ging  in  dichter  Wolke
den  Truppen  voraus  und  verschleierte  deren  Dormarsch.  Swischen
der  2.  und  5.  Armee  aber  wurde  Namur  angegriffen.

Swei  große  Bewegungen  zeichneten  sich  ab:  Vördlich  von
Diedenhofen  gingen  die  Deutschen  mit  einer  gewaltigen  Cinksschwenkung
  vor,  um  im  Norden  die  Entscheidung  zu  suchen;  auf
der  anderen  Seite  suchten  die  Franzosen  unter  Festhaltung  des
Oberelsaß  linksschwenkend  in  die  Lücke  zwischen  Straßburg  und
Wetz  einzubrechen  und  hier  möglichst  starke  feindliche  Kräfte  zu
fesseln.  In  der  Mitte  aber  gingen  sie  zum  Durchbruch  vor.  Es
kam  darauf  an,  wessen  Stoß  zuerst  den  Sieg  erringen  würde.  Ein
siegreiches  Dorwärtsdringen  der  Franzosen  gegen  den  Rhein  würde
den  Dormarsch  der  Deutschen  durch  Belgien  wahrscheinlich  zu  einem
jähen  Ende  gebracht  haben.  Sie  hätten  dann  zum  mindesten  mit
verwandter  1)  Front  schlagen  müssen.

Auf  dem  französischen  rechten  Klügel  kam  es  der  Katur  der
Sache  nach  zuerst  zur  Entscheidung.

Die  2.  französische  Armee,  die,  vereint  mit  der  Nordgruppe  der
I.,  acht  bis  neun  Korps,  mehrere  Reservedivisionen  und  einige  Alpenjägerbataillone
  umfaßte,  trat  am  14.  August  aus  dem  Seilletal  gegen
die  vorgelagerten  Böhen  an,  voller  Siegeszuversicht,  da  die  deutschen
Grenztruppen  vor  ihr  zurückwichen.  Sie  führte  einen  Belagerungspark
  zur  Belagerung  von  Straßburg  mit  sich.  Mit  klingendem  Spiel
rückte  die  Spitze  der  1.  Armee  in  Saarburg  ein.  Schon  am  10.  war
allerdings  französische  Reiterei  von  der  weittragenden  deutschen  Artillerie
  auseinandergesprengt  worden.  Doch  war  das  als  Rückzugskanonade
  aufgefaßt  worden.  Den  gleichen  Eindruck  hatten  die  Franzosen
  noch,  als  sie  am  Morgen  des  20.  August  die  Artillerie  der  gesamten
  deutschen  Armee  in  einer  Front,  die  annähernd  80  km
umfaßte,  vor  sich  sahen  und  gleichzeitig  die  Schlacht  sich  entwickelte,
  auf  die  sie  so  bald  nicht  gefaßt  waren.  Die  Deutschen,
anstatt  zurückzuhalten  und  den  Feind  weiter  vorzulassen,  wie  es
der  Kriegsplan  eigentlich  wollte,  waren  auf  das  Drängen  ihres
Armeeführers  hin,  dem  die  GCberste  Beeresleitung  leider  nach-—



Unter  „verwandter  Front“  versteht  man,  daß  eine  Armee  bei  Angriff  oder
Verteidigung  nicht  senkrecht  zu  ihrer  Front  zurückgehen  kann,  sondern  sich  gezwungen
  sieht,  mehr  oder  weniger  seitlich  anszuweichen.