91

Oktober  aus  den  drei  Korps,  die  French  von  der  Aisne  mitgebracht
hatte,  der  7.  Infanteriedirision,  die  mit  einer  Kavalleriedivision  zusammen
  das  IV.  Korps  bildete,  und  dieser  sowie  noch  einer  Kavallerdiedivision,
  die  schließlich  zu  einem  Korps  unter  dem  General
Allenbv  zusammengefaßt  wurden.  Im  ganzen  waren  es  sieben
Infanterie=  und  drei  Kavalleriedivisionen.  Außerdem  gehäörten  vier
indische  Divisionen  dazu,  zwei  Infanterie-  und  zwei  Kapvallerie-=divisionen,
  deren  Ankunftszeit  ich  nicht  habe  feststellen  können.  Im
ganzen  fochten  —  soviel  der  deutsche  Generalstab  hat  ermitteln
können  —  25  deutsche  Divisionen  gegen  40  feindliche.  Schon  am
20.  Oktober  standen  auf  der  Linie  von  Armentières  bis  zur  Nordsee
acht  Armeekorps  der  DPerbündeten  gegen  sieben  deutsche,  und  diese
Überzahl  wuchs  dann  noch  immer  mehr.  „Das  besagt  zwar  viel,“
schreibt  der  deutsche  Generalstab,  „aber  längst  nicht  alles.  Die
feindliche  Überlegenheit  an  Material,  z.  B.  Geschützen,  Minenwerfern,
  Maschinengewehren,  Flugzeugen  usw.,  war  zwei-,  drei-,
ja  vierfach.“  Diese  große  zahlenmäßige  Uberlegenhbeit,  die  sich  —  bis
auf  die  beiden  ersten  Schlachttage  —  überall  geltend  machte,  aber
wurde  ausgeglichen  durch  die  vaterländische  Begeisterung  bei  den
neugebildeten  Derbänden  der  4.  Armee  und  der  festen  Geschlossenheit
des  III.  Reservekorps.  Die  neue  4.  Armee  bestand  fast  ganz  aus
Freiwilligen,  die  nur  Begeisterung  zu  den  Waffen  getrieben  hatte.
Universitäten  und  Schulen  hatten  sich  mit  den  Lehrern  an  der  Spitze
geleert,  um  zu  den  Waffen  zu  greifen.  erluste  machten  auf  diese
Truppen  keinerlei  Eindruck.  Zu  sterben  waren  sie  alle  bereit.
So  zogen  sie  mit  Vaterlandsliedern  auf  den  Cippen  in  den  Sieg
wie  in  den  Tod  und  warfen  die  feindlichen  weit  überlegenen  Kräfte
zurück.  Nur  mittelmäßig  waren  sie  für  den  modernen  Kampf  ausgebildet,
  und  sie  fochten  vielfach  gegen  alte  kriegsgewohnte  Truppen,
aber  Unglaubliches  haben  sie  geleistet,  und  das  ist  um  so  höher  zu
bewerten,  als  ihre  Gegner  von  allen  MWitteln  der  Feldbefestigung
ausgiebigsten  Gebrauch  machten.  Ungeheure  Mengen  von  Stacheldraht
  wurden  von  England  geliefert,  und  Handgranaten  gab  es  in
Menge;  auch  wurde  vom  Spaten  der  ausgiebigste  Gebrauch  gemacht.
Im  übrigen  war  das  Gelände  der  Derteidigung,  zu  der  sich  die
Verbündeten,  trotz  ihrer  gewaltigen  Übermacht,  sehr  bald  entschließen
mußten,  ganz  besonders  günstig.  Zei  der  vielfachen  Bedeckung,  die
es  aufwies,  begünstigte  es  Überraschungen  und  verdeckte  Stützpunkte,
die  erst  im  letzten  Augenblick  entdeckt  werden  konnten.  In  gleicher
Weise  benachteiligte  es  den  Angreifer.  Das  alles  aber  haben  unsere
braven  Truppen  überwunden  und  sind  ungeschlagen  aus  dem  ungleichen
  Kampfe  Bervorgegangen.  Die  Engländer  aber  fochten
nicht  nur  um  den  Besitz  der  Küste,  sondern  mit  ihm  zugleich,  wie
French  selber  sagt,  um  „nichts  Geringeres,  als  die  Sicherheit,  ja
die  Existenz  des  britischen  Reichs“.  Da  war  es  wohl  natürlich,
daß  sie  alles  einsetzten,  um  sich  siegreich  zu  behaupten.  Mit  dem