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im  Osten  zu  suchen,  und  bis  diese  erfochten  war,  im  Westen  unbedingt
defensiv  zu  bleiben.  Dieser  Gesichtpunkt  mußte  fortan  die  ganze  Kriegführung
  beherrschen.  Gerade.  weil  das  aber  der  Fall  war,  mußten
sich  die  Derbündeten  nun  erst  recht  aufgefordert  fühlen,  offensiv  zu
verfahren  und  ihrerseits  den  Sieg  zu  erfechten,  bevor  sich  die  Deutschen
  nach  völliger  Riederwerfung  ihrer  östlichen  Feinde  wieder  mit
ihrer  Gesamtmacht  gegen  sie  zurückwenden  könnten.  Sie  mußten  die
augenblickliche  notgedrungene  Schwäche  ihres  gewaltigen  Gegners
benutzen,  um  ihn  völlig  niederzuwerfen.

Während  also  für  die  Deutschen  ein  defensives  Derhalten  im  Westen
zu  einem  Gebot  der  Notwendigkeit  wurde,  war  umgekehrt  für  ihre
Gegner  die  kühnste,  Entscheidung  suchende  Offensive  durch  die  Derlältnisse
  angezeigt,  und  sie  war  das  um  so  mehr,  als  die  Derbündeten
  sehr  wohl  wußten,  daß  ihnen  ihr  Gegner,  wenn  auch  nicht  an
Sahl,  doch  sachlich  in  jeder  Weise  überlegen  und  keineswegs  geschlagen
  war,  sondern  daß  er  nur  einer  besonders  ungünstigen  Derkettung
  von  Umständen  es  zu  verdanken  hatte,  daß  er  mit  seinem
Siegerwillen  in  dem  aufgezwungenen  Kriege  nicht  durchgedrungen
war.  So  war  auf  der  einen  Seite  die  Defensive  eine  MAotwendigkeit,
auf  der  anderen  die  Offensive  geboten.

Daß  der  verantwortliche  Führer  der  Deutschen  ein  kranker
Mann  war,  und  daß  deshalb  die  Sügel  der  Obersten  deutschen
Beeresleitung  in  den  entscheidenden  Tagen  am  Boden  schleiften,
ist  bereits  erwähnt  worden.  Auch  war  Generaloberst  von  Moltke
wohl  der  Ansicht,  daß  man  die  Selbständigkeit  der  Armeeführer  so
wenig  als  möglich  beschränken  dürfe.  Nur  durfte  dieses  Gewährenlassen
  niemals  so  weit  gehen,  daß  dadurch  die  Absichten  der  Obersten
BReeresleitung  überhaupt  nicht  mehr  zur  Durchführung  kommen
konnten.  Das  war  aber  —  wie  wir  sahen  —  leider  der  Fall.  In
der  Tat  wurde  es  vollkommen  versäumt,  durch  angemessene  Befehle
Einheitlichkeit  und  Zusammenhang  in  das  Dorgehen  der  einzelnen
Armeen  zu  bringen.  Diese  waren  auf  den  Derkehr  untereinander  angewiesen.
  Auch  ist  schon  erwähnt  worden,  daß  das  Große  Bauptquartier
  viel  zu  weit  von  den  Armeen  entfernt  war,  um  sie  zweckmäßig
  leiten  zu  können,  und  daß  es  ein  entschiedener  Fehler  war,
mehrere  Armeekorps  vom  Entscheidungsflügel  nach  dem  Csten  zu
senden,  bevor  in  Frankreich  eine  Entscheidung  gefallen  war.

Ursprünglich  sollten  sogar  sechs  Armeekorps  dorthin  gehen,
und  General  von  Moltke  soll  einen  solchen  Entschluß  nur  gefaßt
haben,  weil  er  geglaubt  haben  soll,  daß  die  Entscheidung  zugunsten
Deutschlands  bereits  gefallen  sei.  Er  soll  das  daraus  gefolgert  haben,
daß  wenigstens  die  2.  Armee  ihm  andauernd  von  dem  fluchtartigen
Rückzug  der  Franzosen  sprach.  Er  selbst  stellte  die  Sache  durchaus
anders  dar  und  bezeichnete  die  Absendung  nach  dem  Osten  einfach
als  einen  Fehler.  Die  Korps  vom  rechten  Flügel  schickte  er  sofort
ab,  weil  sie  seiner  Ansicht  nach  nach  der  Einnahme  von  Namur