Die  Schlachten  bei  Cannenberg  und  an  den
Masurischen  Seen.

Oblunge  im  Westen  noch  um  die  Entscheidung  gekämpft  wurde,  kam
es  im  Osten  darauf  an,  die  Sachen  hinzuhalten  und  die  Grenzen
des  Reichs  zu  schützen.  Da  Deutschland  von  aller  Sufuhr  abgeschnitten
  war,  mußte  es,  um  leben  zu  können,  darauf  bedacht  sein,
wenigstens  das  eigene  Land  zu  erhalten  und  mit  ihm  die  heimische
Getreideerzeugung.  Don  diesem  Gesichtspunkt  aus  ist  es  vielleicht
sogar  erklärlich,  daß  man  Truppen  aus  dem  Westen  nach  Hreußen
schickte.  Zu  rechtfertigen  aber  ist  es  keinesfalls,  und  am  wenigsten,
daß  man  sie  dem  Entscheidungsflügel  entnahm,  ohne  für  Ersatz  zu
sorgen.  Um  so  richtiger  war  es  vielleicht,  den  Generalobersten  von
Drittwitz  sofort  vom  Kommando  im  Csten  abzulösen,  sobald  er  die
von  ihm  in  dieser  Korm  gewiß  nicht  geplante  Schlacht  von  Gumbinnen
  hatte  abbrechen  müssen.  Schon  von  Anfang  an  hatte  der
Thef  des  Generalstabes  kein  rechtes  Dertrauen  zu  ihm,  und  nur  aus
formalen  Räücksichten  war  er  auf  seinen  Hosten  berufen  worden.  Jetzt
wurde  er  durch  die  besten  WMänner  ersetzt,  über  die  man  verfügen
konnte:  General  der  Infanterie  von  Hindenburg,  der  zur  Seit  im
Beurlaubtenstande  lebte,  wurde  zum  GCberkommandierenden  der
8.  Armee  ernannt,  und  Generalmajor  Ludendorff,  der  Urheber  des
Angriffs  auf  Lüttich,  zu  seinem  Generalstabschef.  Als  sie  beide  in
Marienburg,  dem  damaligen  Hauptauartier,  eintrafen,  war  die
Armee  bereits  im  vollen  Rückzuge  nach  dem  Westen,  zugleich  aber
war  der  Entschluß  gefaßt  worden,  an  der  Hassarge  noch  einmal
das  Waffenglück  zu  versuchen.  Auch  war  mit  der  Ernennung
Hindenburgs  der  Wille  des  Kaisers  dahin  zum  Ausdruck  gebracht
worden,  daß  für  den  Besitz  Ostpreußens  noch  einmal  eine  Schlacht
gewagt  werden  sollte,  obgleich  die  Übermacht  des  Feindes  eine  geradezu
  erdrückende  war.  War  doch  die  Niemen-Armee  260  000  Mann
stark,  die  dazugehörige  Gruppe  Grodno  etwa  00000  Mann  und  die
Narew-Armee  230000  Mann,  während  Hindenburg  zunächst  nur
über  etwa  150000  Mann  verfügte.

Es  wurde  der  neuen  Heeresleitung  denn  auch  sehr  bald  klar,  daß
mit  einer  frontalen  Abwehr  nichts  zu  machen  sei.  Eine  solche  mußte
sehr  bald  erliegen.  Dagegen  bot  die  Trennung  der  beiden  feindlichen
  Armeen,  die  Ostpreußen  und  die  preußischen  Lande  bedrohten,
die  Möglichkeit,  sie  vereinzelt  nacheinander  zu  schlagen.  Dazu  aber