Trains  mußten  oft  die  künstlichsten  Wege  fahren,  um  in  ihren
richtigen  Aufmarschraum  zu  gelangen,  und  die  Fernsprechanlagen
waren  sehr  lückenhaft.  Vielfach  mußte  man  sich  damit  begnügen,
die  Befehle  durch  Kraftwagen  zu  übersenden.  Tichtsdestoweniger
konnte  der  Dormarsch  am  7.  September  angetreten  werden,  also
zu  einer  Zeit,  wo  man  auf  dem  Westkriegsschauplatz  an  der  Marne
um  eine  Entscheidung  rang,  die  die  weittragendsten  Folgen  haben
mußte.

Den  Deutschen  gegenüber  stand  die  russische  Armee  in  der  Cinie
Labiau—Woehlau—Gerdauen—Mordenburg—Angerburg  mit  Seitenabteilungen
  bis  in  die  Gegend  von  Arps,  und  zog  starke  Kräfte  von
Ossowietz  heran.  Auf  diese  stieß  schon  am  8.  September  die  5.  Reservedivision
  mit  der  Landwehrdivision  von  der  Goltz,  die  ihr  nachgezogen
  worden  war,  bei  Biala  und  schlug  sie  entscheidend  zurück,
so  daß  sie  in  die  Hauptentscheidung  nicht  eingreifen  konnten.  Auch
wurden  sie  durch  die  Landwehrdiovision  Goltz  gefesselt,  die  vor  Ossowietz
  stehen  blieb,  während  die  5.  Reservedivision  unter  Generalleutnant
  von  Morgen,  nachdem  sie  den  Feind  nochmals  am  Ul.  September
  geschlagen  hatte,  gegen  Augustow  und  Suwalki  vorging  und
hier  die  Armee  bei  deren  weiterem  Vorgehen  in  ihrer  rechten
Flanke  deckte.  Su  dieser  war  mittlerweile  auch  die  Rauptreserve
von  Hosen  in  einer  Stärke  von  neun  Bataillonen,  einer  Eskadron,
zwei  Feldbatterien,  zwei  10-cm-Kanonenbatterien  und  einer  Hionierkompanie
  herangezogen  worden.  Sie  wurde  zwischen  der  HBauptreserve
  Königsberg,  die  an  der  Deime  den  äußersten  linken  Flügel
der  Armee  bildete,  und  dem  Garde-Reservekorps  eingeschoben.  Dann
trat  die  Armee  auf  der  ganzen  LCinie  den  Dormarsch  an.

Die  frontalen  Angriffe  der  Truppen  hatten  den  starken  russischen
  Stellungen  gegenüber  wenig  Erfolg,  bis  die  Umfassung  des
linken  russischen  Flügels  die  Entscheidung  brachte.  Hier  war  das
XVII.  Korps,  das  mit  den  beiden  Kavalleriedivisionen  vereint  über
Lötzen  vorgegangen  war,  ebenfalls  auf  starken  Widerstand  gestoßen
und  war  nicht  vorwärts  gekommen.  Das  I.  Armeekorps,  das  über
Tikolaiken  und  Johannisburg  vorgedrungen  war,  mußte  scharf  nach
Norden  gedreht  werden  und  machte  ihm  Luft.  Als  hier  aber  der
Sieg  errungen  war,  machte  sich  der  Druck  gegen  den  linken  Flügel
der  Russen  auf  der  ganzen  Front  geltend,  und  die  russische  Armee
trat  den  Rückzug  nach  dem  Njemen  an,  in  ihrer  linken  Flanke
fortdauernd  überflügelt.  Rennenkampf  scheint  an  einen  ernsten
Widerstand  überhaupt  nicht,  sondern  unter  dem  Eindruck  der  Schlacht
von  Tannenberg  nur  daran  gedacht  zu  haben,  seine  Armee  hinter
den  Kjemen  zu  retten.  Die  Hauptreserven  Königsberg  und  Hosen
drängten  auf  Tilsit  vor,  das  I.  Reservekorps  auf  Groß-Auluwöhnen;
der  XI.  auf  der  Linie  Gumbinnen—Stallupönen;  das  XX.  auf  Darkehmen,
  das  XVII.  dicht  nördlich  der  Rominter  Heide.  Das  I.  Korps
ging  dicht  südöstlich  der  genannten  Heide  überflügelnd  vor,  und  end-