135

Damit  war  der  serbische  Feldzug  beendet,  denn  die  Osterreicher
hatten  keine  Kräfte  mehr,  um  ihn  noch  einmal  zu  unternehmen.
Er  bedeutete  aber  auch  für  Deutschland  einen  schweren  Schlag.  Die
5.  und  6.  österreichische  Armee  waren  so  gut  wie  vollständig  geschlagen
  und  zertrümmert.  Um  so  mehr  mußte  die  deutsche  Armee
die  österreichische  bei  allen  ihren  späteren  Unternehmungen  stützen  und
ihr  selbst  bei  der  Verteidigung  des  eignen  Candes  helfen.  Das  sollte
sich  bald  genug  zeigen.

Die  weiteren  Kämpfe  in  Polen,  an  der
galizisch=  ungarischen  Grenze  und  die
Winterschlacht  in  Masuren.

Die  Entscheidungskämpfe  in  Holen  hatten  ihr  Ende  erreicht.  Die
Russen  waren  auf  der  ganzen  Front  gewichen  und  hatten  ihre  Niederlage
  außer  mit  vielen  Toten,  Derwundeten  und  zahlreichen  Geschützen
  mit  150  000  Gefangenen  bezahlt,  die  sich  während  der
Derfolgung  durch  die  Deutschen  noch  um  50  O00  Mann  vermehrten,
die  die  Waffen  streckten.  So  geschlagen  aber  waren  sie  keineswegs,
daß  sie  zu  völliger  Untätigkeit  verurteilt  gewesen  wären.  Unter  zahlreichen
  zum  Teil  sehr  heftigen  Gefechten  gingen  sie  auf  die  neue
Widerstands=  und  Derteidigungslinie  zurück.  Besonders  auf  ihrem
rechten  Klügel,  wo  es  galt,  Nowogeorgiewsk  und  vor  allem  Warschau
zu  sichern,  wehrten  sie  sich  auf  das  heftigste.  Tichtsdestoweniger
wurden  Sochatschew  und  Skiernewice  von  den  Deutschen  genommen,
und  am  2.  Januar  erstürmte  das  XVII.  Korps  Borzimow  nach  mehrtägigem
  harten  Ringen.

Demgegenüber  versammelte  der  Großfürst  starke  Kräfte  der
5.  Armee  und  zwei  in  Holen  befindliche  Korps  der  9.  Armee,  die
aus  der  Front  gezogen  war,  bei  Inowlods  und  griff  damit  die  deutschen
  Linien  so  energisch  und  erfolgreich  in  der  Mitte  an,  daß  man
an  die  Absicht  eines  zentralen  Durchbruchs  glauben  konnte,  während
zugleich  an  der  Nida  zwischen  Wislica  und  Nowokorenzin  um
die  Flußübergänge  heftig  gefochten  wurde.  Um  die  Weihnachtstage
wurde  der  russische  Andrang  bei  Inowlods  sogar  so  stark,  daß  deutscherseits
  alle  verfügbaren  Truppen  dagegen  aufgeboten  werden
mußten.  Erst  um  die  Jahreswende  gelang  es,  den  russischen  Vorstoß
zu  brechen  und  den  Gegner  in  die  Wälder  östlich  der  Dilitza  zurückzuwerfen.


Nun  aber  planten  die  Deutschen  ihrerseits  einen  größeren  Angriff
in  Ostpreußen.  Die  Absicht,  die  Aufmerksamkeit  von  dort  abzulenken,
wo  wichtige  Ereignisse  sich  vorbereiteten,  konnte  durch  ein  vorgehen
  in  der  Richtung  auf  Warschau  am  besten  erreicht  werden.
Es  wurden  daher  starke  Kräfte  versammelt,  die  die  Stellung  der

Russen  bei  Zolimow  angreifen  und  wegnehmen  sollten.  Das  I.  Rev.
  Bernhardl,  Detschlands  Beldenkampf.  10