169

legen.  Unabsehbar  für  die  dortigen  Verhältnisse  war  auch  die  Beute,
die  in  diesem  Gefecht  gemacht  wurde.  800  Gewehre,  5000  Patronen,
Waffen  aller  Art,  Cebensmittel  und  zahlreiche  Ausrüstungsgegenstände
  fielen  in  die  Hände  der  Deutschen,  die  selbst  nur  verhältnismäßig
  sehr  geringe  Verluste  hatten.

Am  gleichen  Tage  wie  bei  Tanga  griffen  die  Engländer  auch  am
Longiddo,  einem  Bergzuge  nordwestlich  des  Kilimandjaro,  eine  deutsche
Abteilung  an.  Es  war  wohl  eine  umfassende  Operation  geplant.  Sie
wurden  aber  auch  hier  blutig  zurückgeschlagen,  obgleich  sie  über  eine
fast  vierfache  ÜUbermacht  verfügten.  Mitte  Januar  endlich  wurde
dann  nochk  ein  ernenter  Dorstoß  der  Engländer  von  Mombassa  aus  bei
Jassini  zurückgewiesen.  Trotz  schwieriger  Geländeverhältnisse  gelang
es  den  Deutschen  dennoch,  den  Sieg  zu  erringen.  Freilich  büßten  sie
60  Deutsche  und  233  Farbige  ein,  unter  denen  sich  an  Coten
23  Deutsche  und  74  Farbige  befanden.  Dafür  verloren  die  Engländer
etwa  000  Mann  außer  zahlreichen  Gefangenen  und  gaben  es  für
längere  Seit  auf,  an  dieser  Stelle  in  Ostafrika  einzudringen.

Ahnlich  war  die  Sachlage  an  allen  Grenzen.  Überall  wurde  der
Feind  zurückgeschlagen,  die  Deutschen  aber  drangen  wiederholt  in
gegnerisches  Gebiet  ein  und  wußten  den  Feind  von  den  deutschen
Grenzen  fernzuhalten.  Tatsächlich  gelang  es  auf  diese  Weise  —  auch
an  der  über  1000  km  langen  Küste  war  dauernd  eine  Bewachung
eingerichtet  —,  das  Schutzgebiet  während  des  ganzen  ersten  Jahres
und  darüber  hinaus  vom  Feinde  frei  zu  halten,  feindliches  Land
aber  wiederholt  zu  brandschatzen,  und  Taveta  auf  feindlichem  Gebiet
zu  besetzen.  Auch  die  Reichspostdampfer  gelang  es  noch  zum  Teil
heranzuziehen  und  einen  feindlichen  Kreuzer  —  den  „Oegasus“  —
im  Hafen  von  Sansibar  am  20.  September  1914  zu  vernichten.  Der
Stationskreuzer  „Königsberg“  hatte  das  geleistet,  war  aber  dann,
wie  wir  sahen,  in  der  Rufidjimündung  blockiert  worden.  Mit  Stolz
konnte  das  Land  im  Frühjahr  1015  auf  die  bisherige  Kriegführung
zurückblicken,  denn  wenn  man  auch  natürlich  den  Feind  nicht  hindern
  konnte,  die  wichtigsten  Küstenstädte  —  so  vor  allem  Daressalam
  —  wiederholt  zu  beschießen,  war  es  doch  gelungen,  den  übermächtigen
  Gegner  überall  siegreich  zurückzuweisen.

Welt-  und  Kriegslage  im  Frühjahr  1915.

Wie  aus  den  vorstehenden  Blättern  hervorgeht,  hatte  sich  der
Krieg  über  die  ganze  Welt  verbreitet;  es  war  zum  Weltkriege  geworden.
  Kein  Land  konnte  sich  seinen  Einwirkungen  ganz  entziehen.
  Im  Westen  und  Osten  von  Deutschland  wurde  ein  Kampf
geführt  auf  Leben  und  Tod.  Auf  allen  Weltmeeren  fochten  deutsche
Schiffe  heldenmütig  gegen  englische  Übermacht.  Die  deutschen  Besitzungen
  in  Ostasien  und  in  der  Südsee  gingen  an  Japan  und  Australien
  bald  verloren,  weil  es  keine  Möglichkeit  gab,  sie  ausreichend