19

Schon  am  Il.  Dezember  1914  hatte  es  sich  öffentlich  zu  dem  Grundsatz
  bekannt,  daß  Italien  gegenüber  Osterreich  das  Recht  auf  Entschädigungen
  besitze,  und  hatte  am  14.  Januar  1015  die  Anfrage  an  die
Wiener  Regierung  gerichtet,  ob  die  Monarchie  bereit  sei,  Verhandlungen
  über  diese  Entschädigungen  grundsätzlich  anzunehmen.  Fürst
Bülow  war  deutscherseits  nach  Rom  geschickt  worden,  um  zwischen
Italien  und  Esterreich  zu  vermitteln.  Daraufhin  hatte  die  österreichische
  Regierung  am  27.  März  und  2.  April  1915  mitgeteilt,  daß
sie  bereit  sei,  die  Bezirke  von  Trient,  Rofreit,  Riva  und  Thiene  mit
Ausnahme  von  Wadonna  di  Campiglio  und  der  Umgegend  von
Borgo  abzutreten,  wofür  wohlwollende  Neutralität  während  der
ganzen  Dauer  des  Feldzuges  und  freie  Kand  auf  dem  ZBalkan  ausbedungen
  wurden.  Die  Antwort  erfolgte  erst  spät  und  auf  besonderes
Drängen  der  Mittelstaaten.  Die  Seit  war  durch  Verhandlungen  mit
den  Westmächten  ausgefüllt  worden.  Wan  forderte  jetzt  italienischerseits
  das  ganze  Trentino,  das  urdeutsche  Bozen,  eine  Grenzberichtigung
  am  Isonzo  mit  Einschluß  von  Görz,  Gradiska  und  WMonfalcone,
  die  Bildung  eines  selbständigen  Freistaates  von  Triest  mit
seinem  Kinterland  einschließlich  von  Capodistria  und  Oirano,  die
Abtretung  der  Curzolarünselgruppe  und  endlich  die  volle  Souveränität
  über  Dalona  und  Saseno  mit  ihrem  Hinterland.  Man  erwartete
  ferner  von  Esterreich  einen  Verzicht  auf  die  zwölf  Inseln,  die
Italien  im  Agäischen  Meer  besetzt  hatte,  und  wollte  als  Gegenleistung
200  Millionen  Cire  in  Gold  zahlen,  jeden  Anspruch  aufgeben,  der  des
weiteren  aus  dem  Artikel  7  des  Dreibundvertrages  hergeleitet  werden
  könne,  und  während  des  Krieges  volle  Neutralität  halten.  Diese
Forderungen  kamen  einer  Waffenstreckung  Esterreichs  gleich.  Als  sie
gestellt  wurden,  deutete  alles  auf  eine  völlige  Umwälzung  der  Machtverhältnisse
  an  der  Donau,  auf  dem  Balkan  und  in  Kleinasien.
Trotzdem  dachte  Ssterreich  nicht  daran,  sie  zu  befriedigen.  Es  bot
noch  einmal  die  Abtretung  Welsch-Tirols,  der  Isonzogrenze  und
Gradiskas,  die  Erhebung  von  Triest  zur  Kaiserlichen  Freien  Stadt
mit  italienischer  Derwaltung,  die  Oberhoheit  Jtaliens  über  Valona
und  die  Abstandserklärung  Ssterreich-Ungarns  bezüglich  Albaniens
an;  aber  es  war  zu  spät.  Am  24.  April  1015  schloß  Italien  mit  den
Dreiverbandstaaten  ab  und  verpflichtete  sich,  in  vier  Wochen  den
Krieg  zu  beginnen.  Sein  Derrat  war  vollendet;  auf  alle  Seiten  aber
hatte  es  auf  eine  selbständige  Mittelmeerstellung  verzichtet  und  war
zum  Sklaven  Englands  und  Frankreichs  geworden.  Deutschland  war
zunächst  nur  wenig  beteiligt,  da  sich  Aaliens  Kriegserklärung  zunächst
  nur  gegen  Esterreich  wendete  und  Deutschland  das  letztere
nur  durch  das  Alpenkorps  in  Tirol  und  einige  schwere  Batterien
am  Isonzo  unterstützte;  Rußland,  das  mittlerweile  die  Karpathenschlacht
  verloren  hatte,  mußte  die  Seche  bezahlen,  indem  es  auf
eine  Dormachtstellung  auf  dem  Balkan  verzichtete.  Der  Ring  um

die  Dreibundstaaten  aber  war  im  Süden  geschlossen.  Es  kam  nur
v.  Bernhardi,  Deuschlands  HBeldenkampf.  14