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ner  wenden.  Auch  Italien  konnte  vorher  entscheidend  niedergeworfen
werden.  Der  ganze  Krieg  hätte  wahrscheinlich  einen  anderen  als  den
jetzigen  Ausgang  genommen.  Rußland  also  mußte  zum  Austritt  aus
der  Reihe  der  Verbündeten  gezwungen  werden.  Sonst  war  der  Ausgang
  des  Krieges  überhaupt  nicht  abzusehen,  und  was  es  bedeutete,
  zwei  Jahre  früher,  als  geschehen,  mit  der  Gesamtmacht  in
Krankreich  aufzutreten  und  die  Entscheidung  zu  erzwingen,  brauche
ich  wohl  nicht  erst  zu  erörtern.  Die  nordamerikanischen  Freistaaten
hätten  dann  wahrscheinlich  trotz  aller  Geldinteressen  nicht  am  Kriege
aktiven  Anteil  genommen.  Für  ein  solches  immerhin  höchst  mögliches
  Ergebnis  mußte  etwas  gewagt  werden.

Hindenburg  war  daher  der  Ansicht,  daß  man  von  Ostpreußen
aus  in  Rücken  und  Flanke  der  russischen  Armee  vorgehen,  dieser  den
Rückzug  verlegen  und  sie  so  zur  Übergabe  zwingen  sollte,  während
der  Njemen-Armee  die  Deckung  dieser  Operation  gegen  die  Düna
zufiel.  Auch  müsse,  meinte  er,  der  große  Menschenbedarf  berücksichtigt
  werden,  den  Frontalangriffe  gegen  befestigte  Stellungen  nötig
machen  würden,  wie  sie  erforderlich  sein  würden,  wenn  man  den
Feind  nicht  in  Klanke  und  Rücken  angriffe.  Wenn  man  ferner  das
Eisenbahnnetz  ins  Auge  faßte,  das  beiderseits  benutzt  werden  konnte,
ließ  sich  allerdings  nicht  leugnen,  daß  den  Russen  für  einen  Rückzug
nach  Osten  viel  zahlreichere  Bahnen  zur  Verfügung  standen,  als  den
Deutschen  für  eine  Operation  in  deren  Rücken.  Dagegen  hatten  die
Deutschen  einen  viel  geringeren  Raum  zu  durchschreiten,  wenn  sie
sich  von  Norden  her  gegen  den  Rücken  der  Russen  wendeten,  und
konnten  große  Kavalleriemassen  frühzeitig  vorschicken,  die  die  in
Krage  kommenden  Bahnen  bei  Wilna,  Molodetschno  und  Minst  nach-Baltig
  zu  zerstören  vermochten.  Frontalangriffe  durften  nur  insoweit
stattfinden,  als  sie  nötig  waren,  um  die  feindlichen  Streitkräfte  festzuhalten
  und  ihren  Rückzug  dadurch  zur  verlangsamen.  Damit  war
meines  Erachtens  die  Möglichkeit  gegeben,  daß  eine  solche  Operation,
die  die  größten  Erfolge  versprach,  gelingen  könne.  Sie  mußte  sogar
um  so  erfolgreicher  sein,  je  weiter  man  nach  Osten  ausholen  konnte,
je  länger  im  Westen  die  Feinde  festgehalten  waren.  Demgegenüber
war  der  Generalstabschef  —  damals  also  General  von  Falkenhayn  —
der  Ansicht,  daß  es  vorteilhafter  sei,  die  Rarew=  und  Weichsel-Linie
direkt  anzugreifen,  da  ein  Umfassen  des  Gegners  angesichts  der  überlegenen
  feindlichen  Eisenbahnen  unmöglich  sei,  und  dieser  sehr  wohl
gelernt  habe,  sich  umfassenden  Operationen  zu  entziehen.  Der  von
Falkenhayn  vorgeschlagene  mehr  frontale  Angriff  bot  zwar  auch  die
Möglichkeit,  einen  Teil  der  feindlichen  Armee  am  Rückzuge  zu  verhindern,
  doch  war  eine  solche  Möglichkeit  sehr  gering;  die  Wahrscheinlichkeit
  dagegen  sprach  dafür,  daß  es  der  gesamten  feindlichen
Armee  gelingen  würde,  sich  der  teilweisen  Umfassung  zu  entziehen.
In  diesem  Falle  gewann  man  allerdings  die  Möglichkeit,  die  geplanten
  Mebenzwecke  zu  erreichen  und  die  Westarmee  in  ihrem  Belden-