252

basis  eingerichtet  wurde,  und  von  wo  sie  später  als  serbische  Armee
wieder  auftraten.

Verteidigungskrieg  der  Mittelmächte  im  Westen.

Während  die  Mittelmächte  —  wie  wir  gesehen  haben  nur  mit
bedingtem  Erfolge  —  bestrebt  waren,  im  Osten  jeden  Widerstand
niederzubrechen,  um  im  Westen  freie  Hand  zu  entscheidungsuchender
Offensive  zu  gewinnen,  kam  es  darauf  an,  hier  mit  so  geringen  Kräften
  wie  nur  möglich  auszukommen  und  doch  den  Zesitzstand  zu
wahren,  soweit  er  von  Bedeutung  für  den  endgültigen  Ausgang
des  Krieges  war.  Das  gibt  der  ganzen  Kriegführung  an  der  Westfront
  ihren  besonderen  Charakter.  Um  so  mehr  war  es  —  wie  schon
gesagt  —  für  die  Kranzosen  und  Engländer  geboten,  die  Entscheidung
zu  suchen,  solange  die  Hauptkräfte  des  Feindes  im  Osten  gebunden
waren,  und  die  Seit  der  entscheidenden  Operationen  so  zu  wählen,
daß  möglichst  viele  Streitkräfte  des  Feindes  in  die  östliche  Kriegführung
  verwickelt  waren,  keine  aber  von  dort  herangezogen  werden
konnten,  um  die  Westfront  behaupten  zu  können,  ohne  die  GOperationen
  im  Osten  zu  gefährden.  Das  war  um  so  notwendiger,  als  jetzt
die  neuangeworbene  KLitchener-Armee  in  die  Erscheinung  treten
sollte,  und  damit  den  Westmächten  ein  neuer  Antrieb  zum  Handeln
gegeben  war.  .

Das  ist  der  Gesichtspunkt,  von  dem  aus  die  Handlungsweise  der
Derbündeten  beurteilt  werden  muß.  Für  sie  kam  es  sogar  darauf  an,
deutsche  Truppen  in  entscheidenden  Momenten  vom  Osten  abzuziehen,
um  den  Erfolg  der  russischen  Operationen  zu  erleichtern.  Ihre  Angriffstätigkeit
  mußte  also  derart  geregelt  werden,  daß  sie  zugleich
als  Entscheidungs=  und  Entlastungsoffensive  wirksam  sein  konnte.
Joffre  hat  zweifellos  versucht,  diesen  Anforderungen  gerecht  zu
werden,  und  er  hat  auch  einzelne,  wenn  auch  geringfügige  Dorteile
errungen.  Im  ganzen  aber  hat  er  seine  Zeit  nicht  richtig  gewählt,
denn  in  entscheidender  Stunde  sind  Kräfte  aus  dem  Osten  nach  Frankreich
  herangezogen  worden  und  haben  nicht  wenig  dazu  beigetragen,
den  Sieg  an  Deutschlands  Fahnen  zu  fesseln,  wenn  auch  vor  allem  der
unvergleichliche  Heldenmut  unserer  Truppen  und  die  unerschütterliche
  Nervenstärke  ihrer  Führer  den  ungleichen  Kampf  zu  einem
glücklichen  Ausgang  geführt  haben:  waren  doch  die  Verbündeten  im
Westen  damals  dem  Heer  der  Mittelmächte  um  etwa  550  000  Mann
überlegen.

A.  Die  Schlacht  von  Carencva  Bassece.
Nachdem  die  große  Offensive  in  der  TChampagne  und  die  zweite
Schlacht  bei  Upern  in  einer  für  die  Derbündeten  unrühmlichen  Weise
zu  Ende  gegangen  waren,  blieb  der  französische  Feldherr  darauf  bedacht,
  den  Kampf  mit  besserem  Erfolge  zu  erneuern.  Sein  Plan  ging