274

Die  Amerikaner  hatten  zwar  nichts  dagegen,  daß  Frauen,  Greise
und  Kinder  in  Deutschland  verhungerten,  hielten  es  aber  für  unmenschlich,
  wenn  Hassagiere  bei  einer  Reise,  zu  der  sie  gar  nicht
gezwungen  waren,  einer  Cebensgefahr  ausgesetzt  würden,  und  brachten
  daher  den  O-Boot-Krieg  dank  der  unentschlossenen  Zaltung  der
deutschen  Regierung  in  der  Nordsee  zum  Aufhören.  Dom  20.  September
  1015  ab  wurde  der  U-Boot-Zandelskrieg  im  Westen  Englands
  und  in  der  Nordsee  eingestellt  und  sein  Schwerpunkt  nach
dem  Mittelmeer  verlegt,  wo  weniger  neutrale  Schiffe  anzutreffen
waren  und  man  daher  weniger  Gefahr  lief,  mit  Amerikanern  zusammenzustoßen.
  Wie  hier  die  englischen  Cinienschiffe  „Triumph“
und  „Woajestic“  versenkt  und  noch  weitere  Erfolge  erzielt  wurden,
ist  bereits  erzählt  worden.  Hier  ging  der  Handelskrieg  weiter.
Auch  schickte  Deutschland  weitere  kleine  Tauchboote  mit  der  Bahn
nach  Cattaro,  wo  sie  zusammengesetzt  wurden,  um  im  Mittelmeer
zu  operieren.  Auch  in  Flandern  war,  wie  geplant,  eine  weitere
UBoot-Basis  in  ZSeebrügge  geschaffen  worden.  Don  dort  aus  operierten
  kleinere  Boote,  deren  Sahl  Ende  September  auf  le  gestiegen
war.  Sie  beschäftigten  sich  Rauptsächlich  mit  Minenlegen  und  trugen
nicht  unwesentlich  zu  den  Dersenkungsziffern  bei.  Diese  waren
allerdings  nicht  so  groß,  wie  sie  bei  mannhafter  Zaltung  der  deutschen
Regierung  hätten  sein  können,  da,  wie  wir  sahen,  zahlreiche  neutrale
  Schiffe  wieder  freigelassen  werden  mußten;  sie  waren  aber
immerhin  nicht  ganz  unbedeutend  und  trugen  wesentlich  dazu  bei,
die  Dersicherungsprämien  und  die  Cebensmittelpreise  in  England
sehr  erheblich  zu  steigern.  Die  Minen  wurden  nicht  nur  zur  Derteidigung
  der  eigenen  Küste,  sondern  sehr  oft  auch  in  offensivem
Sinne  gelegt  und  brachten  manchmal  namhaften  Vorteil,  auch  außerhalb
  des  Randelskrieges.  Gar  manches  englische  Handels=  oder
Kriegsschiff  ist  auf  eine  deutsche  Mine  gelaufen.  Manchmal  glaubte
man,  daß  ein  U-Zoot  die  Katastrophe  verursacht  habe,  und  die
Wut  auf  diese  Waffe,  die  sowieso  groß  war,  stieg  in  Großbritannien
  in  das  WMaßlose  und  läßt  am  besten  erkennen,  was  man  hätte
erreichen  können,  wenn  man  den  Mut  gehabt  hätte,  die  Waffe
rücksichtslos  zu  gebrauchen.  Tur  mit  Mühe  enthält  man  sich  eines
bitteren  Gefühls  gegen  unsere  damalige  Staatsleitung,  die  den  einfachen
  militärisch  und  politisch  gültigen  Grundsatz,  niemals  mit
halben  Maßregeln  zu  operieren,  nicht  zu  befolgen  wußte,  und  daher
immer  nur  das  Gegenteil  von  dem  erreichte,  was  sie  beabsichtigte,
obgleich  sie  gewiß  das  Beste  gewollt  hat,  und  die  Bedeutung
des  U-Boot-Krieges  anscheinend  immer  noch  nicht  voll  erkannt
war.  Wenigstens  läßt  sich  das  aus  den  Sahlen  der  damals  im  Ban
befindlichen  Zoote  und  aus  der  Art  ihrer  Krontverwendung  schließen.
Außer  94  kleinen  Booten,  die  für  Flandern  und  das  Adriatische
Weer  bestellt  waren,  befanden  sich  55  große  Boote  im  Bau,  während
44  an  der  Front  und  von  diesen  nur  10  in  der  Nordsee  verwendet  wurden.