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Die  Hochseeflotte  kam  auch  während  des  ganzen  Jahres  1915
nicht  zum  Schlagen.  Ihre  verschiedenen  Vorstöße  endeten  stets,
ohne  auf  englische  Schiffe  zu  stoßen.  Zwar  griffen  fünf  deutsche
Torpedoboote  in  der  Nacht  vom  17.  August  1015  einen  englischen
Kleinen  Kreuzer  und  drei  Torpedoboote  an  und  brachten  eines  von
ihnen  wie  auch  den  Kreuzer  selbst  zum  Sinken,  doch  sprach  das
für  die  großen  Derhältnisse  natürlich  nicht  mit.  Admiral  Pohl,
der  frühere  Admiralstabschef,  der  die  Sröffnung  des  U--Boot-Randelskrieges
  durchgesetzt  Ratte,  war  damals  Slottenchef,  erreichte
aber  als  solcher  außerhalb  des  U-Boot-Krieges  nichts.  Admiral
Bachmann  aber,  der  nach  ihm  Admiralstabschef  geworden  war,
nahm  infolge  des  „Arabic“-Swischenfalls,  in  dem  er  überhaupt
nicht  zu  Rate  gezogen  wurde,  seinen  Abschied  und  wurde  durch  den
Admiral  von  Holtzendorf  ersetzt,  der  offenbar  eine  vermittelnde  Stellung
  zur  U-Boot-Frage  einnahm.  So  geschak  eigentlich  nichts  von
Bedeutung  gegen  England.  Der  Hilfskrenzer  „Möve“  unter  dem
Grafen  Dohna  wurde  allerdings  abgeschickt,  durchbrach  die  feindlichen
  Sicherungen,  tat  der  feindlichen  Zandelsschiffahrt  unendlichen
Schaden  —  auch  das  englische  neue  Cinienschiff  „King  Eduard  VII.“
fiel  einer  von  ihm  gelegten  Mine  zum  Opfer  —  und  kehrte  Anfang
  1916  sieggekrönt  heim:  das  alles  aber,  so  ehrenvoll  es  auch
an  und  für  sich  war,  konnte  doch  als  irgend  bedeutungsvoll  für
den  ganzen  Krieg  nicht  angesehen  werden.

Auch  die  TLuftschiffangriffe  auf  England,  die  im  Jahre  1015
von  den  Marineflugzeugen  durchgeführt  wurden,  können  in  diesem
Sinne  nicht  aufgefaßt  werden.  Sie  schädigten  das  feindliche  Land
und  seine  Kriegsindustrie  zwar  in  erheblichem  Maße,  konnten  aber
in  keiner  Weise  dazu  beitragen,  den  Gegner  dem  Frieden  geneigt
zu  machen.  Sie  riefen  bloß  Derteidigungsmaßregeln  im  weitesten
Maße  ins  Ceben.  Cuftgeschütze  und  Scheinwerfer  wurden  an  den
bedrohten  Ounkten  in  großer  Anzahl  aufgestellt  und  zwangen  die
Luftschiffe,  immer  größere  Böhen  aufzusuchen.  Sie  erlitten  erhebliche
  Derluste,  größere  vielleicht  als  jede  andere  Waffe,  machten
aber  auch  eine  gewaltige  Entwicklung  durch.  Während  am  Anfang
  des  Krieges  die  der  Marine  zur  Derfügung  stehenden  Cuftschiffe
  nur  15.000  chm  Inhalt  aufwiesen,  hatte  der  letzte  im  Kriege
gebaute  Cuftkreuzer  62000  chm  Inhalt.  Dementsprechend  war
auch  die  Bewaffnung  und  Ausrüstung;  Luftschiffhäfen  aber  waren
vorhanden  in  Nordholz  bei  Cuxhaven,  Ahlhorn  bei  Gldenburg,
Wittmundshafen  in  Ostfriesland  und  Tondern  in  Schleswig-Bolstein.
  Don  hier  fuhren  die  Schiffe  aus,  hierhin  kebrten  sie  zurück,
auch  wenn  sie  die  Flotte  zu  Aufklärungszwecken  begleiteten  oder
selbständig  mit  solchem  Sweck  vorgingen,  zu  dem  sie  sich  besonders
eigneten.  Ihre  Angriffe  auf  England  aber  erfolgten,  abgesehen
von  dem  ersten,  der  schon  erwähnt  wurde,  vor  allem  im  April  1015
gegen  die  Nohlenwerke  bei  Mewcastle  und  im  Mai  auf  die  Themse-