302

—.

Beschränkung  der  österreichischen  Selbständigkeit  und  schließlich,  als
die  Gesamtlage  immer  ungünstiger  wurde  und  Rumänien  infolge
der  russischen  Erfolge  den  Krieg  erklärte,  zum  Ersatz  des  bisherigen
deutschen  Oberbefehlshabers  durch  den  Feldmarschall  von  Rindenburg,
  der  gewissermaßen  als  Retter  einer  immer  ungünstiger  werdenden
  Cage  zur  Leitung  des  Weltkrieges  berufen  wurde.

Wir  wenden  uns  nun  dem  Laufe  der  Ereignisse  zu.

Die  Esterreicher  hatten  dem  italienischen  Unternehmen  zuliebe
ihre  Ostfront  —  wie  wir  wissen  —  nicht  nur  von  ihren  besten
Truppen  entblößt,  sondern  hatten  auch  eine  Menge  Artillerie  von
dort  fortgenommen  und  an  die  italienische  Grenze  gebracht,  um  ihrer
Offensive  zu  dienen.

Der  Angriff  Brussilows,  der  schon  am  4.  Juni  als  einfache  Rekognoszierung
  mit  kurzer  Artilleriebeschießung  einsetzte,  warf  daher
die  4.  und  7.  Armee  völlig  über  den  Haufen,  so  daß  sie  zusammen  mit
den  übrigen  österreichischen  Armeen  in  wenigen  Tagen  mehr  als
200  000  Mann  verloren,  während  die  l.  und  die  2.  Armee  besser
standhielten  und  die  Süd-Armee  unter  dem  Grafen  Bothmer  wie  ein
Fels  in  der  Brandung  Widerstand  leistete.  Jetzt  erst,  als  man  den
unerwarteten  Erfolg  sah,  entschlossen  sich  die  Russen,  den  Hauptangriff,
  der  erst  für  Anfang  Juli  geplant  war,  nach  dem  Süden  zu
verlegen  und  außerdem  im  wesentlichen  nur  noch  den  Sisenbahnknotenpunkt
  Baranowitschi  anzugreifen,  um  mit  der  Wegnahme
dieses  Ounktes  die  Hauptverbindungen  der  deutschen  Armee  im  Nordosten
  lahmzulegen.  Sie  führten  mit  der  Zeit  15  Divisionen  dort  zusammen,
  während  14  Divisionen  vom  Norden  nach  dem  Süden  gefahren
  werden  mußten  und  dort  eingriffen.

Inzwischen  drang  der  Stoß  der  Russen  über  Roshischtsche  und
Luzk,  das  verloren  ging,  gegen  den  Stochod  vor.  Die  ersten  deutschen
Derstärkungen  wurden  in  den  Rückzug  mit  verwickelt.  Eine  Tücke
von  50  km  Breite  sprang  in  der  TLinie  der  Mittelmächte  auf.  Nur
mit  Hilfe  der  Deutschen,  die  zuerst  nur  die  92.  Division  Rusche  und
die  1.  Garde-Ulanenbrigade  dem  Feinde  entgegenwerfen  konnten,
und  weil  die  Russen  keine  Reserven  zur  Stelle  hatten,  gelang  es,  die
Trümmer  der  4.  Armee  in  der  Linie  Swiniuchv—Kisjelin  und  hinter
dem  Stochod  wieder  zu  sammeln  und  die  entstandene  Tücke  notdürftig
  zu  verschließen.  Auch  der  linke  Flügel  der  1.  Armee  wurde  in
den  Rückzug  der  4.  mit  verwickelt  und  der  Gruppe  Linsingen  unterstellt,
  um  Einheitlichkeit  in  die  Operationen  zu  bringen.  Gleichzeitig
drangen  die  Russen  im  Süden  vor  und  bemächtigten  sich  allmählich
der  ganzen  Zukowina.  Am  12.  Juni  focht  die  Süd-Armee  siegreich
bei  utschatsch,  mußte  dann  aber  bis  hinter  den  Koropiec  und  an
den  Dujestr  bei  Risniew  zurückgehen,  um  den  Susammenhang  mit
der  7.  Armee  nicht  zu  verlieren.  Auch  bei  Tlumatsch  wurde  heftig
gefochten,  wo  eine  deutsche  Division  aus  WMazedonien  und  Teile  der
Süd-Armee  kämpften;  der  Dormarsch  der  Russen  gegen  die  7.  Armee