Die  weltlage  Anfang  September  1916.

Die  Derhältnisse,  wie  sie  sich  im  Sommer  1916  gebildet
hatten,  als  Feldmarschall  von  Hindenburg  das  Kommando  übernahm,
  waren  für  Deutschland  höchst  ungünstig;  aus  dem  Grunde
hauptsächlich,  weil  Ealkenhapn  sich  nicht  zu  dem  Gedanken
hatte  durchringen  können,  daß  man  im  Westen  defensiv  bleiben
müsse,  während  alle  Kräfte  auf  die  Niederwerfung  unseres
östlichen  Gegners  vereint  werden  müßten.  Es  hatte  den  Gperationen
  der  große  leitende  Gedanke  gefehlt.  Immer  war  bloß  nach
augenblicklichen  Sweckmäßigkeitsgründen  gehandelt  worden,  und  der
Ausgang  des  KRrieges  war  daher  ernstlich  in  Frage  gestellt.  Es
bedurfte  einer  starken  Kand,  um  die  Lage  einigermaßen  wiederherzustellen,
  und  das  Unglück  wollte,  daß  Kindenburg  nur  in  rein
militärischer  Rinsicht  völlig  frei,  im  übrigen  aber  an  die  Mitwirkung
der  Givilbehörden  und  des  ZReichstages  gebunden  war,  in  einem
Augenblick,  in  dem  nur  die  höchste  Einheitlichkeit  aller  Gewalten
Rettung  bringen  konnte,  oder  der  souveräne  Wille  einer  großen
Dersönlichkeit,  die  alle  Einzelbestrebungen  zur  Erringung  eines  gemeinsamen
  Sweckes  zusammenfaßte.  .

Hindenburgwolltedensiegundtatalle5,umihnzuermöglichen.
  Die  Sivilbehörden  aber  begriffen  den  Ernst  der  Lage  nicht
und  hielten  unter  dem  Einfluß  eines  unfähigen  Reichstages  einen
annehmbaren  Frieden  für  möglich.  Für  einen  solchen  arbeiteten
sie  und  waren  außerdem  von  sozialistischen  Jdeen  beeinflußt.  An
diesem  inneren  Gegensatz,  der  überall  im  Randeln  zutage  trat,  sind
wir  schließlich  zugrunde  gegangen.  Für  den  Augenblick  aber  schien
"*u  als  ob  unser  Widerstand  auck  militärisch  zusammenbrechen
ollte.  .
Der  Angriff  auf  Derdun  war  völlig  gescheitert.  An  eine  Einnahme
  dieses  sachlich  und  moralisch  entscheidenden  Platzes  war
überhaupt  nicht  mehr  zu  denken.  Engländer  und  Franzosen  hatten
an  der  Somme  zwar  bisher  nicht  durchbrechen  können,  sie  lasteten
aber  alle  Tage  mit  größerem  Nachdruck  auf  unseren  Entschließungen
und  bereiteten  uns  schwere  Verluste,  die  zu  ersetzen  uns  nicht  mehr
leicht  fiel.  Der  Kampf  hier  war  äußerst  verderblich,  und  die
Oberste  Heeresleitung  war  selbst  schuld  daran,  daß  er  so  schlimme
Erfolge  auslösen  konnte,  weil,  wie  seinerzeit  in  der  Herbstschlacht
in  der  Champagne,  viel  zu  spät  entscheidende  Bilfsmaßregeln  er-