346

Feind  aufhalten  und  den  wankenden  Bundesgenossen  überall  stützen
mußte;  daß  es  ferner  auch  die  bulgarische  Armee  bei  Saloniki  belehrte
und  zusammenbielt  und  außerdem  eine  Anzahl  seiner  besten  Offiziere,
viele  tüchtige  Krieger  und  zahlloses  Armeematerial  nach  der  Türkei
geschickt  hat;  wenn  man  außerdem  bedenkt,  daß  auch  Esterreich  nicht
nur  an  der  Ostfront  gebunden  war,  sondern  auch  seine  Süd=  und
Südwestgrenze  gegen  die  italienische  Gesamtmacht  verteidigen  mußte.
Erst  wenn  man  sich  klar  macht,  daß  das  alles  gleichzeitig  geleistet
werden  mußte,  wird  es  offenbar,  welche  Summe  von  Charakter  und
Beldenmut  dazu  gehörten,  um  einer  solchen  Lage  ruhigen  Sinnes
entgegenzusehen,  und  daß  es  auch  nur  sehr  allmählich  möglich  war,
die  nötigen  Derstärkungen  nach  Rumänien  zu  schicken.  Es  war  das
nur  in  dem  Derhältnisse  angängig,  als  sich  auf  den  übrigen  Kriegsschauplätzen
  die  Dinge  klärten  und  vereinfachten;  als  infolgedessen
Truppen  zur  Not  wenigstens  frei  gemacht  werden  konnten,  die  man
in  Rumänien  einsetzte,  um  dort  den  Sieg  vollkommen  zu  machen  und
sich  so  wenigstens  eine  gewisse  Freiheit  des  Handelns  zu  erkämpfen.

A.  Mazedonien  und  Jtalien.

Am  nächsten  dem  rumänischen  Kriegsschauplatz  stand  die  Grient-Armee.
  Sie  hatte  es  demnach  an  und  für  sich  am  leichtesten,  entlastend
  für  Rumänien  einzugreifen.  Doch  waren  ihr  die  Bulgaren  zuvorgekommen,
  wie  wir  sahen,  und  hatten  sich  der  Gegend  von  Florina
bemächtigt,  während  ihr  Zauptangriff  gescheitert  war.  Die  deutsche
Oberste  Beeresleitung  hatte  geholfen,  so  viel  sie  konnte.  Stwa  eine
deutsche  Division  stand  schon  in  Mazedonien,  außerdem  Artillerie,
Maschinengewehr-,  Fernsprech=  und  Fliegertruppen.  Auch  ein  türkisches
  Armeekorps  löste  die  Zulgaren  östlich  der  Struma  ab,  und
das  deutsche  Gberkommando,  das  unter  den  Befehlen  der  bulgarischen
Beeresleitung  für  die  ganze  mazedonische  Front  geschaffen  war,  ging
vom  Wardar  nach  der  westlichen  Derteidigungsfront,  um  dem  Schauplatz
  der  Ereignisse  näher  zu  sein,  während  deutsche  Kräfte  die  rückwärtigen
  Derbindungen  der  Armee  einigermaßen  zu  ordnen  suchten.
Frühzeitig  leiteten  die  Deutschen  auch  den  Bau  einer  rückwärtigen
Stellung  nördlich  von  Monastir  ein,  was  bald  von  großer  Bedeutung
wurde,  da  es,  wie  vorauszusehen,  nicht  gelang,  diese  Stadt,  die  für
die  Bulgaren  eine  politische  und  moralische  Bedeutung  hatte,  auf  die
Dauer  zu  halten.  ,  «

Mitte  September  unternahm  die  Grient-Armee  —  wie  mit
Rücksickt  auf  den  rumänischen  Krieg  unter  allen  Umständen  zu  erwarten
  gewesen  war  —  einen  Gegenstoß,  bemächtigte  sich  Florinas,
überschritt  die  Cerna  Mitte  Oktober  bei  Brod  und  nahm  am
18.  November  Wonastir  ein.  Drei  bis  vier  deutsche  Jägerbataillone,
die  nach  Rumänien  bestimmt  waren,  mußten  zur  Unterstützung  geschickt
  werden.  Weiter  drang  denn  auch  die  Grient-Armee  nicht  vor.