B.  Verdun  und  der  Sommesturm.

Der  Angriff  auf  VDerdun  1)  hatte,  wie  wir  sahen,  aufgegeben
werden  mũssen,  weil  er  die  deutsche  Kraft  zu  sehr  in  Anspruch  nahm.
Die  Hoffnung,  daß  auch  der  Gegner  mit  dem  Einstellen  unseres  Angriffes
  zum  reinen  Stellungskrieg  ũübergehen  werde,  erfüllte  sich
leider  nicht.  Je  mehr  an  der  Somme  der  Angriffsgeist  der  Kranzosen
und  Engländer  abflaute,  desto  mehr  lebte  er  vor  Derdun  wieder  auf.
Ende  Oktober  brachen  die  Franzosen  in  einem  großangelegten  und
kühn  durchgeführten  Gegenstoß  vor.  Auf  eine  lange  Artillerievorbereitung
  hatten  sie  verzichtet.  Aber  sie  steigerten  für  kurze  Seit
ihr  Artillerie-  und  Minenwerferfeuer  bis  zur  äußersten  Ceistungsfähigkeit
  und  griffen  dann  mit  gewaltigem  Schwunge  die  körperlich
und  seelisch  niedergedrückten  Verteidiger  überraschend  an.  Sie  überrannten
  einfach  unsere  Linien.  Am  24.  Oktober  mußte  Fort  Donaumont,
  dieses  Wahrzeichen  deutschen  Beldenmutes,  aufgegeben  werden.
Am  1.  Tovember  folgte  die  Räumung  von  Fort  Daux.  Am  15.  Dezember
  gelang  den  Franzosen  ein  weiterer  Angriff,  der  sie  in  den  Besitz
  des  Geländes  nördlich  der  Orte  Zras  und  von  Dorf  Douaumont
setzte;  allmählich  aber  gelang  es  den  Deutschen,  sich  in  einer  Cinie
Cöte  de  Talon—BRäöhen  nördlich  Louvemont—Les  Chambrettes—Bezonvanx—Damloup
  festzusetzen.  Die  Kämpfe  dauerten  noch  bis  in
den  Dezember  hinein,  und  es  wurde  damit  ein  Gelände  endgültig
preisgegeben,  das  mit  Strömen  von  Heldenblut  erkauft  worden  war,
das  aber  mit  der  Seit  zu  behaupten  äußerst  schwierig  und  gefahrvoll
wurde,  so  daß  es  zuletzt  für  die  Soldaten  zum  Schrecken  geworden
war.  Die  Verteidigung  der  Festung  hatte  den  Franzosen  allerdings
besonders  am  Anfang  sehr  viel  mehr  Menschen  gekostet  als  den
Deutschen  der  Angriff;  je  mehr  man  sich  aber  der  Festung  näherte,
desto  leichter  wurden  für  die  Derteidiger,  desto  schwieriger  für  die
Deutschen  die  rückwärtigen  Derbindungen,  bis  zuletzt  Führer  und
Truppen  das  Aufgeben  des  Angriffs  dieses  mehr  durch  die  Natur
als  nur  durch  die  Kunst  geschützten  Hlatzes  mit  Freuden  begrüßten
und  den  Franzosen  den  zweifellosen  Erfolg  beließen,  der  sich  in  der
Wiedereroberung  der  allerdings  in  Crümmer  geschossenen  Forts
Douaumont  und  Daux  aussprach.

Während  dieser  ganzen  Seit  aber  ging  der  Kampf  an  der
Somme'")  weiter.  Hier  war  es  den  Franzosen  und  Engländern,  trotz
ihrer  gewaltigen  Überzahl  an  Menschen,  Artillerie  und  sonstigem
Kriegsmaterial  bisher  nicht  gelungen,  die  deutschen  Linien  zu  durchbrechen.
  Die  Schlacht,  die  zuerst  darauf  angelegt  gewesen  war,  einen
Durchbruch  zu  erzwingen,  war  längst  zu  einer  Sermürbungs=  und
Waterialschlacht  geworden,  in  der  es  darauf  abesehen  war,  die
feindlichen  Kräfte  allmählich  zu  verbrauchen  und  den  Gegner  hier-1)

  Siehe  Karte  4a8.
à)  Siehe  Karte  63.