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wenn  die  Verteidigungslinien  im  Westen  verkürzt  wurden.  Standen
doch  nur  154  schwache  Divisionen  gegen  100  feindliche  an  der  französischen
  Front.  Das  aber  konnte  nur  dadurch  erreicht  werden,  daß
man  die  Front  geradelegte,  was  zunächst  in  der  Gegend  der  Somme
möglich  war,  wo  man  sowieso  einen  neuen  Angriff  erwartete.  Es
war  damit  der  weitere  Dorteil  verbunden,  daß  man  damit  einer
feindlichen  Umfassung  wenigstens  einigermaßen  vorbeugte  und  den
Kampf  in  ein  für  die  Derteidigung  günstiges  Gelände  verlegte.  Auch
konnte  man  in  dem  geräumten  Gelände  alle  Mittel  der  Unterkunft
und  der  Kriegführung  zerstören  und  so  dem  Gegner  den  Angriff  an
dieser  Stelle  sehr  wesentlich  erschweren.  Es  wurde  demgemäß  beschlossen,
  die  Gegend  vorwärts  von  St.  Laurent  bei  Arras  über
St.  Quentin  bis  Vailly  an  der  Aisne  zu  räumen,  dort  eine  neue
Stellung  —  die  Siegfriedstellung  —  zu  bauen,  sobald  diese  fertig
wäre  dorthin  zurückzugehen,  und  dabei  die  Gegend  bis  dahin  völlig
zu  zerstören.  Mit  dem  Ausbau  der  neuen  Stellung  sollte  sofort
begonnen,  die  Arbeiter  sollten,  soweit  angängig,  aus  der  Heimat  entnommen
  werden.  Auch  die  Michelstellung,  die  den  bedeutenden
Bogen  bei  St.  Mihiel  abschneiden  sollte,  wurde  für  den  Fall  eines
etwaigen  Rückzuges  vorbereitet  1).

Das  alles  waren  jedoch  nur  Abwehrmaßregeln,  denn  es  war
von  vornherein  klar,  daß  man  sich  auch  im  kommenden  Jahre  in
Frankreich  vollkommen  in  der  Defensive  Ralte  müßte.  Ceider  mußte
das  auch  in  Rußland  der  Fall  sein.  Man  konnte  auf  diesem  Kriegsschauplatz
  unmöglich  angriffsweise  verfahren,  weil  man  immer  fürchten
  mußte,  ins  Uferlose  zu  geraten.  Der  Krieg  von  1812  war  ein
warnendes  Beispiel.  So  schien  man  völlig  auf  die  Verteidigung  angewiesen
  und  sah  auf  dem  Festlande  zunächst  keinerlei  Mittel,  zu
einem  Abschluß  des  unheilvollen  Krieges  zu  gelangen.  Ein  solches
bot  sich  aber  auf  der  See.

Der  Chef  des  Admiralstabs  versicherte  immer  wieder,  daß  man
imstande  sei,  England  innerhalb  gewisser  Seit  durch  den  unbeschränkten
  U-Boot-Krieg  zum  Nachgeben  zu  zwingen.  Auch  zeigte  sich  sehr
bald,  daß  weder  Rolland  noch  Dänemark  gewillt  seien,  des  U-Boot-Krieges
  wegen  zu  den  Waffen  zu  greifen.  Der  Reichskanzler  hatte
sich  auch  in  diesem  Hunkte  wie  gewöhnlich  geirrt.  So  schlug  denn  die
Oberste  Heeresleitung,  als  einziges  Mittel,  den  Krieg  doch  noch  siegreich
  zu  beenden,  den  uneingeschränkten  U-Boot-Krieg  vor,  während
man  sich  auf  dem  Ost-  und  Westkriegsschauplatz  defensiv  verhalten
wollte  und  mußte.  Jetzt  endlich  gab  auch  der  Reichskanzler  nach.
Schon  am  12.  Februar  1016  hatte  der  damalige  Thef  des  Admiralstabs,
Admiral  von  Holtzendorff,  eine  Denkschrift  aus  dem  verflossenen  Jahre
eingereicht,  in  der  der  militärisch  zwingende  Beweis  geführt  wurde,
daß  der  uneingeschränkte  U-Boot-Krieg,  wenn  er  sofort  eröffnet

1)  Siehe  Karte  17.