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Erlaß  ausgegeben,  in  dem  er  für  Hreußen  das  allgemeine  Wahlrecht
  in  Aussicht  stellte.  Er  hoffte  offenbar  damit  die  Revolution  zu
beschwören.  Der  Umstand  aber,  daß  dieser  Erlaß  fast  unmittelbar
vor  Ausbruch  der  russischen  Revolution  erfolgte,  ließ  seinen  Ursprung
und  seine  Absicht  deutlich  erkennen.  Er  zeigte  dem  Auslande  die
ganze  innere  Schwäche  Deutschlands  und  dem  Jnlande  die  Angst
vor  der  Revolution.  So  entfesselte  er  hier  nur  eine  leidenschaftliche
Erregung  und  machte  die  Stellung  des  Kanzlers  immer  unhaltbarer.
Durch  fortwährendes  Nachgeben  gegenüber  den  linksstehenden  Harteien
  glaubte  dieser  die  Gefahr  beschwören  zu  können  und  schien  doch
selbst  an  den  Erfolg  seiner  Tätigkeit  nicht  zu  glauben.  Einen  Verständigungsfrieden,
  wie  ihn  der  Reichstag  erstrebte,  hielt  er  für  unmöglich,
  glaubte  vielmehr  an  einen  „Beloten“-Frieden  und  tat
dennoch  nichts,  um  das  Dolk  selbst  über  die  Gefahr  aufzuklären,  in
der  es  schwebte.  Endlich,  am  27.  Juni,  schrieb  Kindenburg  an  den
Kaiser  selbst:  „Die  schwerste  Sorge  ist  aber  augenblicklich  das  Sinken
der  Stimmung  im  Dolke.  Sie  muß  gehoben  werden,  sonst  verlieren
wir  den  Krieg.  —  Dazu  gilt  es  im  Inneren  die  schwierigsten  wirtschaftlichen
  und  für  die  Sukunft  bedeutsamsten  Fragen  zu  lösen.  —  Es  entsteht
  die  Frage,  ob  der  Kanzler  zur  Lösung  dieser  Kragen  —  und  sie
müssen  richtig  gelöst  werden,  sonst  sind  wir  verloren  —  imstande  ist.“
So  war  die  Frage,  vor  die  der  Kaiser  gestellt  war,  im  wesentlichen:
Hindenburg  oder  Bethmann  Hollweg?

Die  zweite  Brussilow-Offensive.  Der  Kanzlerwechsel
  und  die  Friedensresolution.

Am  3.  April  lole  hatten  die  Deutschen  den  Brückenkopf  bei  Toboly
  erobert  und  etwa  10  000  Gefangene  gemacht.  Eine  mächtige
Artillerie  war  zu  diesem  Swecke  unter  dem  Befehl  des  Oberstleutnants
  Bruchmüller  zusammengezogen  worden;  die  eigenen  Derluste
waren  gering.  Es  war  die  letzte  Stellung  am  linken  Stochodufer,
die  der  Gegner  von  der  ersten  Brussilow-Offensive  her  noch  im  Besitz
hatte.  Wieder  aber  war  Bethmann  der  Ansicht,  daß  es  den  Fciedensaussichten
  Rußlands  gegenüber  nur  schaden  könne,  wenn  man  irgendwelchen
  militärischen  Erfolg  erziele.  Derselbe  Mann,  der  durch  die
Droklamierung  des  Königreichs  Holen  jeden  Frieden  mit  Rußland
unmöglich  gemacht  hatte,  wollte  jetzt  mit  demselben  Staate  Frieden
erlangen,  indem  er  jeden  militärischen  Erfolg  zu  verhindern  suchte.
Rindenburg  aber  hatte,  weil  er  den  Frieden  im  Osten  auf  keinen  Fall
gefährden  und  einen  Swiespalt  mit  der  Reichsleitung  vermeiden
wollte,  wenn  auch  ungern,  nachgegeben  und  hatte  jeden  weiteren
Angriff  verboten.  Aber  der  Diktator  Kerenski,  der  im  Juni  in  Rußland
  zur  Macht  kam,  nachdem  verschiedene  Regierungen  abgewirtschaftet
  hatten,  dachte  gar  nicht  an  Frieden  und  benutzte  die  Untätig-