373

keit  der  Deutschen  nur  dazu,  um  einen  beabsichtigten  Angriff  in  Ruhe
vorzubereiten.  Er  war  von  den  Ententestaaten  in  jeder  Weise  bearbeitet
  und  beim  Ehrgeiz  gepackt  worden.  Jetzt  glaubte  er  anscheinend,
  durch  einen  Sieg  seine  Herrschaft  befestigen  und  zugleich
Rußlands  Machtbedürfnis  befriedigen  zu  können.  Der  Hlan,  den  er
mit  Brussilow  vereint  zur  Uiederwerfung  der  Mittelmächte  ausführen
wollte,  war  daher  großzügig  gedacht.  Seitlich  konnte  er  allerdings
nicht  mehr  mit  dem  Ansturm  im  esten  zusammerfallen,  man
glaubte  jedoch  trotzdem  Großes  erreichen  zu  können,  da  Deutschland
durch  jenen  Ansturm  erschöpft  sein  mußte  und  die  österreichische
Armee  durch  politische  Umtriebe  in  ihrer  Ceistungsfähigkeit  sehr
erschüttert  zu  sein  schien.  Einen  Hunkt  aber  vor  allem  hatte  man
offenbar  nicht  richtig  bewertet:  daß  nämlich  die  russische  Armee  selbst
durch  die  Soldatenräte  und  andere  sozialistische  Einrichtungen  in
ihrem  inneren  Werte  stark  gelitten  hatte  und  nicht  mehr  das  gleiche
leisten  konnte  wie  früher.  Sie  sollte  auf  der  ganzen  Front  gleichzeitig
  angreifen.  Aus  dem  Brückenkopf  bei  Riga,  aus  Dünaburg,
am  Narotschsee  und  in  der  Gegend  von  Smorgon  sollten  Nebenstöße
geführt  werden,  der  RKauptangriff  aber  sollte  staffelförmig  südlich
Brody  derart  erfolgen,  daß  der  Gegner  auf  der  ganzen  TLinie  bis
zu  den  Karpathen  mit  mehreren  Tagen  Swischenraum  angegriffen
werden  sollte.  Den  Angriff  sollte  eine  rumänisch-russische  Armee
im  Süden  fortsetzen.  Ich  nehme  wenigstens  an,  daß  auch  das  letztere
von  Anfang  an  geplant  war.

Drinz  Leopold  von  Bapern,  der  von  dem  bevorstehenden  Angriff
unterrichtet  war,  plante  einen  Gegenstoß  von  Sborow  aus,  der  unter
Deckung  in  der  linken  Flanke  die  russische  Angriffsarmee  nach  Süden
aufrollen  sollte.  Zierzu  wurden  trotz  der  gespannten  Derhältnisse  an
der  Westfront  sechs  Divisionen  aus  dem  Westen  überwiesen  und  auf
den  linken  Flügel  der  Angriffsarmee  gefahren.  She  jedoch  der
deutsche  Aufmarsch  beendet  war,  brach  der  russische  Angriff  los.
Am  1  Juli  griffen  die  Russen  mit  großem  Munitionsaufwand  in
dichten  Massen  die  2.  österreichische  Armee  zwischen  Sborow  und
Brsheshany  durch  ihre  rechte  Klügelarmee  Guter  an  und  erzielten
große  Erfolge.  Bei  Sborow  konnten  sie  2  km,  bei  Koniuchv  sogar
5  km  in  die  Stellung  der  Esterreicher  eindringen,  die  sehr  viel  Gerät
und  zahlreiche  WMannschaften  durch  Überlaufen  verloren.  Hrinz
Leopold  mußte  zahlreiche  Reserven  einsetzen,  um  diesen  Stoß  zum
Stehen  zu  bringen.  Das  gelang  aber  schon  am  2.  Juli.  Am  d.  Juli
griff  dann  die  russische  Armee  Bjekowicz  die  Süd-Armee  an  der
Narajowka  an,  wurde  aber  nach  sehr  geringen  anfänglichen  Erfolgen
blutig  abgewiesen,  da  diese  Armee  hauptsächlich  aus  deutschen
Truppen  und  Türken  bestand.  Am  6.  Juli  erfolgte  der  Hauptstoß
südlich  des  Dnjestrs.  Bier  war  es  die  Armee  Kornilow,  die  den  Angriff
  ausführte.  In  einer  Breite  von  32  km  drang  sie  beiderseits
Stanislau  tief  in  die  österreichische  Stellung  ein,  überschritt  die