375

Gegenstoß  auszuführen,  nicht  irremachen  lassen.  Wenn  er  auch  die
S.  österreichische  Armee  vielfach  durch  Truppen  stützen  mußte,  die  von
dem  Aufmarschgebiet  abgelenkt  werden  mußten,  so  wußte  er  doch
den  leitenden  Gedanken  festzuhalten  und  den  Aufmarsch  zum  Gegenstoß
  zu  fördern.  Ceider  mußte  der  Angriff  des  schlechten  Wetters
wegen  mehrere  Tage  aufgeschoben  werden;  auch  die  Kavallerie,
die  den  Durchbruch  ausbeuten  sollte,  war  nicht  zur  Stelle,  da  sie
zur  Verhinderung  des  feindlichen  Weiterkommens  nach  Kalusch
hatte  geschickt  werden  müssen;  aber  am  10.  Juli  konnte  der  Angriff
stattfinden  und  hatte  einen  glänzenden  Erfolg.

Auf  einer  verhältnismäßig  schmalen  Front  von  nur  6  km  wurden
vier  Divisionen  im  ersten  Treffen  eingesetzt.  Swei  weitere  folgten  gestaffelt
  hinter  den  Klügeln.  Mur  fünf  von  ihnen  1)  führten  den  eigentlichen
  Kampf,  während  ihnen  in  erster  Cinie  sieben,  in  zweiter  acht
seindliche  Divisionen  gegenüberstanden.  Trotzdem  wurde  schon  amersten
Tage  Gelände  in  einer  Breite  von  20km  und  bis  zu  15  km  Tiefe  gewonnen.
  Schon  am  25.  Juli  fiel  Tarnopol.  Die  Front  der  Russen
weiter  südlich  begann  sich  zu  lockern.  Die  Süd-Armee,  die  3.  und
die  7.  Armee,  die  besonders  stark  mit  deutschen  Truppen  durchsetzt
waren,  traten  an;  bis  in  die  Bukowina  hinein  geriet  die  ganze  Ostfront
  in  Bewegung.  Die  Russen  wichen  in  Auflösung  zurück,  die  bald
eine  vollständige  wurde.  Schon  am  30.  Juli  wurde  unter  steten
Kämpfen  der  Grenzfluß  Sbrucz  Fwischen  Zusjatpn  und  Skala  und
die  Linie  Sinkow—Sniatpyn—Dorna  Watra  erreicht;  in  der  Nacht
vom  2.  zum  3.  August  wurden  Czernowitz  und  Kimpolung  besetzt.  Bis
zum  10.  August  war  die  Bukowina  zum  allergrößten  Teil  wieder  im
Besitz  der  Mittelmächte.  Die  Rebenangriffe  der  Russen  bei  Riga,
Dünaburg  und  am  Karotschsee  waren  mit  Ceichtigkeit  abgewiesen
worden.  Nur  bei  Krewo  südlich  Smorgon  waren  sie  am  21.  Juli  in
die  Stellung  einer  sehr  weit  auseinandergezogenen  Landwehrdivision
eingedrungen  und  wurden  erst  nach  mehreren  kritischen  Tagen  durch
Artilleriefeuer  und  Reserven  wieder  hinausgeworfen.

Indessen  hatte  am  31.  Juli  1917  auch  die  geplante  russisch-rumänische
  Offensive  eingesetzt,  zu  spät,  um  auf  den  damals  schon  gescheiterten
  Angriff  Brussilows  noch  Einfluß  haben  zu  können.  Der
Gedanke  lag  für  die  Deutschen  sogar  nahe,  von  der  Bukowina  aus
den  in  der  Moldau  fechtenden  Rumänen  in  den  Rücken  zu  fallen  und
gleichzeitig  vom  unteren  Sereth  aus  vorzurücken.  Diese  Erwägungen
hatten  sogar  schon  dazu  geführt  das  Alpenkorps  nach  Rumänien  zu
fahren.  Doch  musßte  ein  solcher  Hlan  für  den  Augenblick  wieder  aufgegeben
  werden,  als  der  rumänisch-russische  Angriff  erfolgte,  da  sich
Rerausstellte,  daß  die  Kräfte  zum  Dorgehen  aus  der  Bukowina  nicht
ausreichten,  und  die  Eisenbahnen  derart  zerstört  waren,  daß  sie  vor-1)

  Es  waren  dies  die  1.  und  2.  Garde-Infanteriedivision  und  die  S.,  6.,  22.
Infanteriedivision.

v.  Bernhardl,  Detschlands  Beldenkampf.  25