382

entrissen.  Diese  Angriffe  wiederholten  sich  am  21.  und  22.  August.
Auch  bei  St.  Quentin  wurde  die  Siegfriedstellung  von  den  Franzosen
vergeblich  angegriffen,  und  auch  gegen  die  Röhen  des  Damenweges
fanden  französische  Entlastungsvorstöße  statt.  Sie  blieben  erfolglos.
Anders  bei  Verdun,  wo  die  französische  Armee  mit  neuerstandener
Kraft  vorging.  Am  20.  August  gingen  die  Franzosen  nach  stärkstem
Trommelfeuer  auf  einer  Breite  von  25  km  vom  Walde  von  Avocourt
  bis  zum  Caurièreswalde  zu  rücksichtslosen  Angriffen  vor  1).
Die  Deutschen,  die  auf  den  Stoß  vorbereitet  waren,  hatten  für  einen
solchen  Kall  auf  dem  linken  Maasufer  die  Räumung  der  Böhen  304
und  des  Toten  Mannes,  auf  dem  rechten  Ufer  die  des  Talourückens
und  der  Höhen  von  Louvemont  angeordnet.  Die  Franzosen  stießen
in  dieser  vordersten  Linie  nur  auf  sehr  schwache  Kräfte  und  fanden
ernstlichen  Widerstand  erst  in  der  dahinterliegenden  Rauptstellung.
Dennoch  drangen  sie  auch  in  diese  ein.  Sie  eroberten  auf  dem  linken
Maasufer  den  Rabenwald,  den  Gänserücken  und  das  Dorf  Regnéville,
  auf  dem  rechten  die  Orte  TChamp,  Champneuville  und  Samooneux
  sowie  die  Röhe  544  und  Teile  des  Fosses=  und  des  Caurièreswaldes.
  Auf  dem  linken  Ufer  der  Maas  hatte  eine  Division  versagt.
Die  Kämpfe  setzten  sich  in  den  nächsten  Tagen  bis  zum  27.  August
fort.  Die  Franzosen  eroberten  am  26.  Beaumont,  verloren  es  aber
wieder  bei  einem  Gegenangriff  der  Deutschen,  die  es  auch  am  27.
behaupten  konnten.  Damit  schliefen  auch  vor  Derdun  die  größeren
Kämpfe  ein,  und  den  Deutschen  wurde  die  Möglichkeit  gegeben,  vor
der  Festung  Kräfte  zu  sparen  und  sich  anderen  Unternehmungen  zuzuwenden.
  Die  Kämpfe  aber,  die  auf  den  übrigen  Teilen  des  weiten
Kriegsschauplatzes  stattfanden,  waren  zu  weit  entfernt,  um  auf  das
Zardeln  Frankreichs  unmittelbar  einwirken  zu  können  und  einen
influß  auf  die  Flandernschlachten  zu  gewinnen.

So  begann  schon  am  18.  August  die  U.  Isonzoschlackht,  die  die
Abwehrkräfte  Esterreichs  in  vollem  Maße  in  Anspruch  nahm,  nachdem
  soeben  erst  in  Galizien  um  Sein  oder  Nichtsein  gerungen  und
der  Staat  nur  durch  Deutschlands  Bilfe  gerettet  worden  war.

Auch  an  der  mazedonischen  Front  wurde  gefochten,  ohne  daß  die
dortigen  Ereignisse  irgendeinen  unmittelbaren  Einfluß  auf  die  Derhältnisse
  in  Krankreich  oder  überhaupt  gewinnen  konnten.  Nur  die
Oberste  Heeresleitung,  die  an  alles  denken  mußte  und  für  den  Ausgang
  im  großen  verantwortlich  war,  wurde  durch  die  Gesamtheit  der
Dinge  in  unerhörter  Weise  belastet  und  durchlebte  eine  kritische  Seit.

Die  Eroberung  von  Riga  und  Jakobstadt.

Die  Eroberung  von  Riga  hatte  sich  verzögert,  aber  sie  war,  trotz
der  starken  Inanspruchnahme  der  Kräfte  im  Westen,  nicht  aufge-1)

  Siehe  Karte  48.