387

nahmslos  zusammengeschossen  wurden;  das  englische  Artilleriefeuer
aber  wirkte  vernichtend,  da  die  deutsche  Infanterie  bei  der  neuen
Angriffsweise  der  Engländer  beim  Gegenstoß  von  ihm  gefaßt  wurde.
Die  verschiedenartigsten  taktischen  Anordnungen  wurden  getroffen,
um  diesem  UÜbelstande  abzuhelfen,  sie  erwiesen  sich  aber  in  den
nächsten  Kämpfen  als  ungenügend.  Der  26.  September  war  der
nächste  Großkampftag,  der  2.  und  5.  Oktober  brachte  schwere  Artilkerieschlachten,
  und  am  4.  Oktober  setzten  die  Engländer  zu  einem
neuen  großen  Angriffe  an,  in  dem  sie  sich  eines  Streifens  von  etwa
1500  m  Tiefe  bemächtigten.  Ein  Teil  von  Hoelkapelle,  der  Holvgonwald,
  die  Gehäöftstrümmer  von  Sonnebeke  und  Broodseinde  und
Teile  von  Sandvoorde  blieben  in  englischer,  die  Dörfer  Ghkeluveldt,
Daschendaele  und  Becelaere  in  deutscher  Hand.  Der  Geländeverlust
hätte  verschmerzt  werden  können,  die  entscheidenden  Höhen  wurden
gehalten;  die  Einbuße  an  Menschen  und  Kampfkraft  war  aber
schwer  zu  tragen.  Es  wurde  daher  jetzt  ein  sogenanntes  Dorfeld  eingerichtet,
  d.  h.  ein  schmaler  Geländestreifen  zwischen  der  vordersten
feindlichen  Linie  und  derjenigen,  die  die  eigene  Truppe  in  beweglicher
  Verteidigung  halten  sollte.  Dieser  Streifen  wurde  nur  gang
schwach  besetzt  und  im  Falle  eines  feindlichen  Angriffs  geräumt,  so
daß  die  Masse  der  feindlichen  Infanterie  beim  Angriff  in  das  Feuer
der  deutschen  Artillerie  kommen  mußte.  Diese  Anordnung  hat  sich
dann  auf  die  Dauer  bewährt,  so  daß  die  Infanterie,  als  am  9.  und
12.  Oktober  der  Keind  von  neuem  in  großzügiger  Weise  angriff,  besser
standhielt  als  bisher  und  es  den  Angreifern  nur  gelang,  schmale  Geländestreifen
  bei  Mangellaare  und  Draibank  gegen  den  Wald  von
HKouthulst  hin  zu  gewinnen.  Immerhin  war  der  Kräfteverbrauch  ein
derartiger,  daß  zwei  Divisionen,  die  im  Osten  bereitgestellt  und  bereits
  nach  Jtalien  unterwegs  waren,  wieder  abgedreht  und  nach
Flandern  gefahren  werden  mußten.  So  war  der  Anspruch  an  die
Nervenkraft  der  Obersten  Heeresleitung  im  Oktober  ein  ungeheurer;
denn  zu  derselben  Seit,  in  der  die  wütenden  feindlichen  Angriffe  in
blandern  stattfanden,  mußte  einerseits  der  Angriff  bei  Riga  fortgegebt.
  andererseits,  wie  wir  sehen  werden,  der  Angriff  in  Italien  vorereitet
  und  eingeleitet  werden.  Auch  die  Franzosen  gingen  energisch
vor,  um  Cruppen,  wenn  möglich,  aus  Flandern  abzuziehen,  was
ihnen  freilich  nicht  gelang.
Am  22.  Oktober  griffen  sie  nach  umfassender  Dorbereitung  durch
Artillerie-,  Minen-  und  Gasfeuer  die  sogenannte  Laffauxecke,  bei  der
die  deutsche  Front  fast  einen  rechten  Winkel  von  Westen  nach  Torden
machte,  entscheidend  an,  und  es  gelang  ihnen,  die  Orte  Allemant,
Daudesson,  Thavignon  und  Fort  Walmaison  mit  dem  umliegenden
Gelände  zu  nehmen,  während  der  Böhenrand  zwischen  Damenweg
und  Ailette,  zwischen  Dargnp—Filain,  Courtacon—Ternv  und  Ailles—
Dauclère  unter  starken  Derlusten  des  Angreifers  von  den  Deutschen
gehalten  wurde.  Mehrere  tausend  Gefangene  und  eine  Anzahl  meist