405

—  —  —  —  —  —

Auch  die  Hochseeflotte  hatte  keinerlei  entscheidende  Tätigkeit  entfaltet.
  Wir  haben  gesehen,  daß  sie  bei  der  Eroberung  der  Baltischen
Znseln  in  entscheidender  Weise  mitwirkte  und  dabei  ihre  volle  Ceistungsfähigkeit
  an  den  Tag  legte;  da  aber  selbst  bei  der  Abwesenheit
der  deutschen  Schlachtflotte  in  der  Ostsee  die  weit  überlegene  englische
Flotte  nicht  dazu  zu  bewegen  war,  irgend  etwas  in  der  Mordsee  zu
unternehmen,  war  nicht  darauf  zu  rechnen,  daß  sie  ihren  Erfolg  in
Sukunft  anders  als  in  der  bisherigen  negativen  Weise  anstreben
würde.  Die  blutigen  LCehren,  die  sie  sich  in  der  Skagerrakschlacht  ge-Rolt
  hatte,  trugen  ihre  Früchte.

In  der  Türkei  und  bei  deren  Derbündeten  hatte  die  Eroberung
Bagdads  durch  die  Engländer  einen  nachhaltigen  Eindruck  gemacht.
Diese  stellten  im  weiteren  Vorgehen  bei  Chanikin  die  VDerbindung  mit
den  über  Hamadan  und  Kermandschabh  aus  Hersien  vordringenden
Russen  Baratows  100  km  närdlich  von  Bagdad  her.  Aber  auch  der
Verlust  von  Bagdad  selbst  war  von  hoher  Bedeutung.  Hatte  doch
gerade  diese  Stadt  als  Stützpunkt  in  Mesopotamien  nicht  nur  einen
großen  militärischen  Wert,  sondern  auch  als  früherer  Sitz  des  Kalifats
  eine  nicht  zu  unterschätzende  religiöse  Bedeutung.  Die  Bedeutung
des  Kalifats  dachte  man  sich  gewissermaßen,  allerdings  in  unklarer
Weise,  von  dem  Zesitze  Bagdads  abhängig.  Für  Europäer  aber
war  vor  allem  sein  militärischer  Wert  von  Bedeutung.  Es  war
daher  durchaus  verständlich,  wenn  man  in  Konstantinopel  alles
daransetzen  wollte,  um  die  Stadt  wiederzuerobern,  und  sich  auch  durch
die  Fortschritte  der  Engländer  in  Halästina  um  so  weniger  beeinflussen
  ließ,  als  diesen  Fortschritten  durch  die  beiden  siegreichen
Schlachten  von  Gaza  Halt  geboten  worden  war.  Man  ging  sofort
an  die  Vorbereitung  dieses  Unternehmens,  dessen  Schwierigkeiten
völlig  unterschätzt  wurden,  und  gab  ihm  die  besondere  Bezeichnung
„Jilderim“  —  der  Blitz  —,  die  aus  der  napoleonischen  Seit  herzustammen
  scheint.  General  von  Falkenhayn  mit  einem  nach  deutschem
Muster  organisierten  Stabe  sollte  das  Bierfür  bestimmte  Korps
führen.  Auch  das  deutsche  Kriegsministerium  ging  auf  diesen  Hlan
ein  und  beschloß  im  Einverständnis  mit  Hindenburg,  das  Unternehmen
  nachhaltig  zu  unterstützen,  indem  es  ein  eigenes  deutsches
„Asienkorps“  schuf,  das  aus  den  Infanteriebataillonen  701  bis  703
zu  je  drei  Kompanien,  mehreren  ZBatterien,  drei  Sügen  Kavallerie
mit  zwei  Maschinengewehren  und  zahlreichen  anderen  Formationen
bestand  1)  und  eine  nicht  unbedeutende  Masse  in  der  türkischen  Armee

1)  Das  deutsche  Asienkorps  bestand  im  einzelnen,  abgesehen  vom  BHeeresgruppen.
kommando  und  seinem  Stabe  aus  folgenden  Truppenteilen:  den  Infanteriebataillonen
701—708  zu  je  drei  Kompanien;  drei  Maschinengewehrkompanien  zu  je  sechs  Gewehren;
drei  Zügen  Uavallerie  mit  zwei  Maschinengewehren;  drei  Minenwerfertrupps  mit
je  vier  leichten  Minenwerfern;  einem  Artillerieabteilungsstab  mit  zwei  Batterien
leichter  Feldhaubitzen  16,  einer  Batterie  Feldkanonen  16  und  leichter  Munitionskolonne;
  einem  Infanteriegeschützzug  mit  leichter  Munitionskolonne;  zwei  Gebirgshaubitzenzüge
  mit  leichter  Munitionskolonne;  einer  Klugabwehrkanonenbatterie;  einer