409

Teil  feindlich  gesinnt  war.  Auch  mußte  eine  große  Reihe  von
Gefechten  geliefert  werden,  die  meistenteils  siegreich  waren,  obgleich
  alle  Hilfsmittel  der  Sivilisation  fehlten,  während  dem  Feinde
alles,  was  der  Krieg  und  die  Bequemlichkeit  des  Lebens  nur  fordern
  konnten,  in  Hülle  und  Fülle  zu  Gebote  stand.

Der  Zückzug  ging  im  allgemeinen  in  südöstlicher  Richtung,  um,
wenn  irgend  möglich,  die  seit  lange  verlorengegangene  Fühlung  mit
der  RKauptabteilung  wieder  zu  gewinnen.  Iringa  wurde  nicht  angegriffen,
  sondern  westlich  umgangen,  da  man  den  Hiderstand
scheute,  den  man  dort  eventuell  antreffen  könnte,  und  es  bei  dem
völligen  Mangel  an  Derständigungsmitteln  nicht  gelang,  eine  genügende
  Streitkraft  gleichzeitig  vor  diesem  Hlatze  zu  vereinigen.
Auch  zwang  die  LCebensmittelknappheit  immer  wieder  zur  Teilung  der
schwergeprüften  Truppe.  Endlich  aber  am  22.  Movember  19l6  gelang
doch  die  Dereinigung  mit  der  Baupttruppe  in  der  Gegend  von  Lupembe,
  und  am  Ulangi  wurde  die  Derteidigung  im  Zunde  mit  dieser
wieder  aufgenommen.  Ein  Marsch  war  zurückgelegt,  wie  er  selten
in  der  Kriegsgeschichte  vorkommt.  Dabei  waren  noch  zahlreiche  Trophäen
  erbeutet  worden.  Wenn  auch  manche  Geschütze,  die  zu  schwer
zu  transportieren  waren,  hatten  vernichtet  werden  müssen,  so  waren
doch  andererseits  vier  Geschütze  mit  Munition,  sechs  Maschinengewehre,
  viele  Gewehre  und  Hatronen,  ein  Lastauto  und  manches
andere  erbeutet,  50  Europäer  gefangen,  Sugochsen,  Reit=  und  Tragtiere
  in  großer  Sahl  dem  Feinde  abgenommen  worden.  Sehr  groß
waren  leider  auch  die  Derluste.  Diele  Leute  waren  den  unausgesetzten
  Strapazen  erlegen,  manche  waren  durch  sie  zur  Fahnenflucht
  getrieben  worden.  Infolgedessen  wurden  von  den  720  Europdern
  und  3000  Alkaris,  die  am  27.  Juli  noch  vorhanden  gewesen
waren,  im  Tale  des  Ulangi  nur  noch  300  Deutsche  und  1550  Askaris
gemustert.  Die  Ausrüstung  war  ganz  Beruntergekommen,  die  Körperkraft
  in  kohem  Grade  verbraucht;  der  Geist  aber,  der  diese  hart
mitgenommene  Truppe  belebte,  sollte  noch  lange  und  in  zahlreichen
Gefechten  die  deutsche  Fahne  hochhalten.

Die  Engländer,  bei  denen  der  Burengeneral  Smuts  durch  den
englischen  General  Deventer  ersetzt  wurde,  ließen  den  Deutschen
zmnächst  über  ein  Dierteljahr  Ruhe,  um  ihre  Stappen  einigermaßen
einzurichten  und  die  sehr  schwierige  Verpflegung  zu  regeln.  Es
scheint,  daß  auch  bei  ihnen  eine  Teuorganisation  der  Truppe  stattfand
  und  daß  die  europäischen  Truppen  durch  Inder  und  eingeborene
Afrikaner  ersetzt  wurden.  Auch  Belgier  wurden  herangezogen.  Die
Deutschen  ihrerseits  behaupteten  sich  zunächst  noch  in  dem  Küstengebiet
  südlich  Daressalam  und  auf  dem  linken  Ufer  des  Rufidji  und
des  Ulangi.  «

Inzwischen  hatte  im  März  1016  das  Deutsche  Reich  auch  an
DHortugal  den  Krieg  erklärt,  und  dieses  hatte,  nachdem  verschiedene
Landungsversuche  kläglich  gescheitert  waren,  mit  starken  Kräften