425

nischen  Schiffen  bewältigt  worden  sein  soll.  Die  Rücksicht  auf  diese
Verhältnisse  war  zwingend  und  brachte  die  deutsche  Heeresleitung,
nachdem  ein  Weiterführen  des  Verteidigungskrieges  als  durchaus
unzweckmäßig  abgelehnt  worden  war,  zu  dem  Entschluß,  so  früh  wie
möglich  anzugreifen  und  die  Entscheidung  zu  erzwingen,  noch  bevor
die  Amerikaner  in  Masse  eingetroffen  sein  könnten.  War  diese  einmal
  zugunsten  Deutschlands  gefallen,  dann  konnte  man  hoffen,
daß  die  Teilnahme  der  Dereinigten  Staaten  wohl  eine  Verlängerung
des  Krieges,  aber  nicht  mehr  einen  vollkommenen  Umschwung  der
Derhältnisse  Berbeiführen  werde.  Auch  durfte  man  dann  darauf
rechnen,  daß  die  Stimmung  in  Deutschland  und  Esterreich  sich  wieder
heben,  daß  die  Türkei  und  Bulgarien  in  ihrer  Widerstandskraft  gefestigt
  werden  würden,  und  zwar  um  so  mehr,  je  entscheidender  der
Sieg  war,  und  je  mehr  er  die  Hoffnungen  der  Umstürzler  zuschanden
machte.  Den  Geist  des  Heeres  hielt  man  für  derartig  gefestigt,  daß
er  der  Riesenaufgabe,  die  bevorstand,  gewachsen  wäre.  Die  Oberste
Beeresleitung  wenigstens  sah  mit  Vertrauen  auf  ihre  Truppen.  Ein
Mittelweg  aber  war  nirgends  gegeben.  Die  Entente  war  fest  entschlossen
  —  jetzt  nach  dem  Beitritt  der  Dereinigten  Staaten  mehr
wie  je  —,  den  Krieg  bis  zur  Dernichtung  Deutschlands  fortzuführen.
Sie  hoffte  bestimmt,  durch  die  Macht  ihrer  Hropaganda  und  durch
die  Not,  die  durch  die  völlige  Absperrung  hervorgerufen  werden
mußte,  mehr  nock  als  durch  rein  militärische  Mittel  den  Widerstand
der  Mittelmächte  mit  der  Seit  zu  brechen.  Sie  kannte  den  inneren
Sustand  Esterreichs,  Bulgariens  und  der  Türkei  und  wußte,  daß  der
Dierbund  nur  durch  die  Kraft  Deutschlands  zusammengehalten  wurde.
War  erst  dieses  an  den  Rand  des  Abgrundes  gebracht,  dann  mußte
alles  zusammenstürzen.  Fede  andersgeartete  Meinung  wurde  gewaltsam
  unterdrückt.

Deutschland  mußte  die  Folgerungen  ziehen,  um  so  mehr,  da  es
auf  eine  friedliche  Rede  des  Grafen  Bertling  von  neuem  am  3.  Januar
  1018  eine  schroffe  Ablehnung  seiner  Friedenserwartungen  erhalten
  hatte.

War  der  Entschluß  zum  Angriff  aber  einmal  gefaßt,  so  mußte
naturgemäß  alles  geschehen,  um  ihn  siegreich  durchzuführen.  In
diesem  Sinne  war  denn  auch  die  Oberste  Beeresleitung  tätig.

Daß  sie  ihr  möglichstes  tat,  um  die  Regierung  zu  einem  schnellen
Abschluß  des  Kriedens  mit  Rußland  und  Rumänien  zu  veranlassen,
ist  schon  gezeigt  worden.  Sie  war  sogar  entschlossen,  Bierfür  Opfer  zu
bringen.  LCeider  waren  ihre  Bemühungen  vergeblich.  Die  Diplomaten
  erwiesen  sich  als  vollständig  unfähig,  den  Anforderungen  des
Krieges  gerecht  zu  werden,  und  dem  Kaiser,  der  zwischen  zwei  Anschauungen
  hin-  und  hergerissen  wurde,  feklte  anscheinend,  wie  das
in  so  schwieriger  Lage  wohl  verständlich  ist,  die  Entschlußkraft,  rücksichtslos
  und  tatkräftig  die  Ansicht  Hindenburgs  zu  vertreten.  So  war
denn  die  Oberste  Heeresleitung  auf  sich  selbst  angewiesen,  und  sie