438

Es  war  beabsichtigt,  die  entscheidenden  Höhen  südlich  und  westlich
  der  angegriffenen  Linie  zu  erobern  und  von  ihnen  aus  die
Lebensadern  der  englischen  Armee  zu  unterbinden.  Don  den  Höhen
von  Cassel  aus  konnte  man  die  ganze  feindliche  Stellung  erschüttern.
Don  ihnen  aus  konnte  man  nämlich  Calais  und  Boulogne  mit  weittragenden
  Geschützen  unter  Feuer  nehmen  und  damit  den  Nachschub
  der  Armee  in  Flandern  erschweren  oder  unmöglich  machen.
So  konnte  es  gelingen,  die  Hauptmasse  der  Engländer  gegen  das
Meer  zu  drängen,  ihre  Derbindung  mit  den  Franzosen  zu  bedrohen
und  im  Besitz  der  entscheidenden  Höhen  von  Cassel  und  Godewaersfelde
  eine  Stellung  einzunehmen,  die  für  den  ganzen  Feldzug  von
weitgehendster  Bedeutung  sein  mußte.  Es  war  eine  in  jeder  Hinsicht
  entscheidende  Operation.

Der  erste  Angriff  war  erfolgreich.  Die  vordersten  Linien  der
Derteidigung  wurden  einfach  überrannt.  Dann  aber  ging  es  langsamer
  vorwärts.  Das  Dorbringen  der  Artillerie  und  der  WMunition
über  das  versumpfte  Trichter=  und  Grabengelände  kostete  unendliche
Wühe.  Auch  wurde  es  sehr  erschwert  durch  das  sehr  wirksame
Flankenfeuer,  das  von  den  Höhen  von  Hinges  und  Bernanchon  herüberschlug.
  So  kam  es,  daß  der  äußerste  linke  Klügel  ganz,  die  rechts
von  ihm  fechtenden  Truppen  vor  Dieille  Chapelle,  Lestrem  und
Estaires  liegen  blieben,  während  der  rechte  Flügel  sowohl  gegen
Armentières  wie  über  die  Cys  vorwärts  kam.  Es  wurden  6000  Gefangene
  gemacht  und  über  100  Geschütze  erbeutet.  Am  10.  April
schloß  sich  die  4.  Armee  dem  Angriff  an  und  erstürmte  die  Trümmer--stätten
  von  Messines  und  Rollebeke,  während  der  äußerste  linke
Flügel  allerdings  nur  wenig  Gelände  gewann.  Immerhin  wurden
Dieille  TChapelle  und  LCestrem  gestürmt,  und  auch  weiter  nördlich
drang  man  vor.  SEstaires  wurde  genommen;  in  der  Nacht  vom
U.  zum  12.  Merville,  am  Il.  das  tapfer  verteidigte  Armentieres;
bis  gegen  Niuwe  Kerke  (Neuve  Sglise)  drängten  die  Deutschen
vor.  Auch  Wrytschaete  wurde  wiedererobert.  Damit  war  die  Stoßkraft
  der  6.  Armee  zu  Ende.  Im  Süden  und  Südwesten  bildeten
die  Köhen  von  Hinges  und  Bernanchon,  im  Westen  der  große  Wald
von  Nieppe  ein  unüberwindliches  Hindernis.  Nach  Dieux-Berquin
und  Meteren  drangen  die  deutschen  Truppen  noch  vor.  Auch  Bailleul
wurde  genommen;  alle  Dersuche  aber,  die  Höhen  zwischen  Hazebrouck,
  Cassel  und  dem  Kemmel  zu  erobern,  scheiterten  vollkommen.
Sie  blieben  den  Deutschen  unerreichbar,  und  das  um  so  mehr,  als
auch  die  Franzosen  die  Engländer  unterstützten  und  Dioisionen  über
Divisionen  an  die  flandrische  Front  warfen.  Der  Kampf  ging  mehr
und  mehr  in  einen  Stellungskampf  über,  bei  dem  sich  die  Deutschen
von  der  6.  Armee  in  höchst  ungünstiger  Lage  befanden;  sie  wurden
von  Westen  und  Süden  her  beschossen,  ohne  sich  in  dem  nassen  Gelände
  genügend  eingraben  zu  können,  und  von  Norden  her  beherrschte
  der  Kemmel  weithin  die  flandrische  Sbene.  Wenigstens